The power of good-bye

in Allgemein by jrgen, 10. Oktober 2010 - 5 Comments »

“There’s no greater power than the power of good-bye” (Madonna)

Man sieht sich täglich, aber die Faszination des Neuen ist der Gleichgültigkeit des Alltags gewichen. Äußerlich ist noch fast alles wie früher, aber irgendwann stellt man fest, dass man seit Jahren nichts mehr gemeinsam unternommen hat. Zeit für einen Abschied. Eine Beziehungsgeschichte? Irgendwie schon, aber es geht hier zum Glück nicht um Zwischenmenschliches.

Es geht darum, wie bei mir nach und nach die Entwicklung vom Computer in Studio zum Studio im Computer statt fand. In einem Home-Studio ist das besonders einfach, denn man muss ja nicht auf  Kundenwünsche Rücksicht nehmen und nur das eigene Ego entscheidet. Mein Ego verlangte früher nach vielen Rack-Modulen, die alle per MIDI zu steuern waren, vom Synthesizer über das Digitalmischpult bis zur Patchbay. Zuerst wurden sie vom C64 angesteuert, da waren sie aber noch sehr wenige. Dann kam der Atari ST und schließlich der erste Mac, ein LC2, danach der Performa 480 und ein G3.  Schon mit dem G4 begann der Ersatz einiger Geräte durch Plug-ins. Zwei Yamaha TX-7 Module und die Roland R-8 Drum machine wurden verkauft, per Anzeige in Zeitschriften. Mit dem Mac Pro  begann endgültig die Zeit, wo alles im Computer gemacht wurde, auch der Mix.

Was geschah mit meinen 19-Zoll-Freunden? Lange Zeit nichts.

Dann, im September 2010 kam mir die Erleuchtung. Wenn auch nur nach und nach. Ich hörte eine Verzerrung in der linken Monitorbox, die sich als später  als harmlose Fehleinstellung erwies, aber mein erster Gedanke war: Die Endstufe? Wie alt ist die eigentlich? 20 Jahre? Auweia! Alles stirbt irgendwann. Daraufhin habe ich mir die vielen Geräte angesehen, die ich seit Jahren nicht mehr eingesetzt hatte und die mich mit ihren kleinen bunten LEDs freundlich ansahen. Und dann war es nicht mehr weit bis zur Entscheidung: ebay.

Inzwischen sind schon einige Geräte per Hermes-Versand auf die Reise gegangen, eines sogar nach Finnland. Ein Bisschen komme ich mir schon wie ein Kulturbanause vor. Darf man einen Roland MKS-30 mit analoger Tonerzeugung guten Gewissens verkaufen, oder gar den Oberheim Matrix-6R? Andere Leute bezeichnen so etwas als “analoge Schätzchen” und zu Recht! Ich habe überall noch mal reingehört, man muss ja auch sicher sein, dass die Geräte noch funktionieren. Sehr schön, aber die Plug-ins haben bei mir doch gewonnen. Nach Punkten sozusagen. Bei den Tonbearbeitungs-Geräten gibt es eine Ausnahme: meinen UREI 1178 Kompressor behalte ich auf jeden Fall, der wird bei jeder Mikrofonaufnahme eingesetzt, auch in Zukunft.

Wenn man so viele Geräte verkauft (11 Stück genauer gesagt) hilft es nichts: Man muss endlich mal aufräumen. So schlimm ist das nicht, wenn man erst einmal angefangen hat und dabei Musik hört, finde ich.  Ein toller Nebeneffekt: kilometerweise Kabel werden überflüssig und damit Staubfänger.