Test: SCHWEBi

in Kamera by joern, 24. Mai 2010 - 12 Comments »

Passend zu meiner neuen Canon EOS 550D und dessen Videofunktion habe ich mir das Schwebestativ mit dem lustigen Namen “SCHWEBi” bestellt. Jens Deutscher bietet über seine Internetseite das Stativ in 2 Varianten an. Ich habe mich für den Typ “sc” mit Schnellwechselplatte MA 200PL-14 von MANFROTTO entschieden. Ob das Motto “Jeder kann schweben” auch auf mich zutrifft, werde ich nach diesem Test wissen.

Hintergrund

Wer sich gefragt hat, wie diese ruhigen Kamerafahrten in Filmen zustande kommen, wird beim Suchen schnell über den Begriff “Steadycam” stolpern. Bei der Preissuche werden die meisten von uns (mich eingeschlossen) aber erst einmal das Thema verwerfen. Schaut man nach dem ersten Schock genauer hin, findet man ein paar wenige preisgünstigere Lösungen. Das SCHWEBi liegt in genau in der goldenen Mitte dieses erschwinglichen Preisgefüges.

Lieferumfang

  • Transporttasche
  • Bedienungsanleitung
  • SCHWEBi (mit diversen Gewichten und zweitem Kugellager)
  • Kameraplatte
  • Inbusschlüssel

Für welche Kameras ist das SCHWEBi gedacht?

Man kann Kameras (Camcorder oder DSLR’s) von 400 gr. bis 1.200 gr. verwenden. Da es sich um ein Balance-System handelt, hängt dieser Bereich schlicht mit der Konstruktion und dem Gewicht der Gegengewichte zusammen. Auf Anfrage gibt es beim Hersteller aber auch eine Möglichkeit für besonders leichte Camcorder ab 250 gr.

Wie gut funktioniert das ganze?

Ich habe mich an der Anleitung und am vorhandenen Video auf der Webseite orientiert und nach ca. einer halben Stunde (inkl. auspacken, zusammenbauen und trimmen) konnte ich einen ersten Test mit meiner 550D und dem 18-55er Kit-Objektiv machen. Erster Eindruck: es funktioniert! Eventuell macht sich hier das geringe Gewicht des Kit-Objektivs positiv bemerkbar. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei kopflastigeren Kombinationen etwas komplizierter ist. Ich habe den Test mit dem etwas schwereren Canon 50mm f/1,4 wiederholt und auch hier lässt sich feststellen, dass die einsatzbereite Kamera gut zu trimmen ist. Einen Test mit meinem 55-250er Telezoom habe ich mir geschenkt, da ich damit höchstens auf dem Stativ filmen werde. Ich hatte jedenfalls mit größeren Anfangsproblemen gerechnet. Wer, wie ich, zum ersten Mal mit einem Schwebestativ arbeitet, wird sich aber an die etwas ungewöhnliche Haltung gewöhnen müssen. Aber das ging schon am zweiten Tag erstaunlich gut und so waren auch Treppen kein Problem mehr. Bei Kurven sollte man immer seinen ganzen Oberkörper mitbewegen und nicht nur die Hand. Man sollte aber darauf gefasst sein, bei Außenaufnahmen etwas komisch angeschaut zu werden.  :-D

Wie wird es getrimmt?

Damit ich nicht die (sehr gute) Anleitung wiedergebe, empfehle ich dem interessierten Leser die Lektüre der selbigen. Zu finden ist die Anleitung hier. Weiterhin wird es im Videobereich der Seite sehr anschaulich erklärt. In der Praxis funktioniert das auch wirklich gut. Allerdings muss man es nach Benutzung (wenn man es zusammen klappt) erst wieder neu trimmen, was mit etwas Übung aber immer schneller geht. Hier hätte ich mir eine Art “Fixierung” gewünscht. Der Vorteil der DSLR’s ist hier natürlich auch ein Nachteil: Beim wechseln des Objektivs muss man ebenfalls neu trimmen. Übrigens ist das erzielen der horizontalen Balance in meinen Augen der schwierigere Part. Im Gegensatz zur Feinjustierung bei der vertikalen Balance kann man hier nur den Gewichtsträger nach links oder rechts neigen. Das kann etwas “frickelig” sein. Aber unterm Strich ist es keine Hexerei und wie vieles einfach nur “Übungssache”.

Welches Modell?

Ich empfehle wärmstens den Typ “sc”, damit man auch mal schnell auf ein Ein- oder Dreibeinstativ ausweichen kann. Dieses sollte dann natürlich auch eine Schnellwechselplatte besitzen. Weiterhin sollte man beim Filmen natürlich den Kameragurt abnehmen, da er sonst ständig im Weg “rumbaumelt”.

Wie sieht das Ergebnis nun aus?

Dazu habe ich ein kurzes Beispielvideo aufgenommen.

Alternativen

  • Es gibt ein noch günstigeres Schwebestativ von Manfrotto: MODO STEADY 585. Es liegt preislich unter 100 Euro und bietet gleich 3 Funktionen in einem Stativ. Darunter eben auch die eines Schwebestativs. Es kann aber nur Kameras bis max. 750 gr. Gewicht aufnehmen. Da liegt man mit einer DSLR schnell drüber. Über die Verarbeitung des Manfrotto kann ich nichts sagen, da es mir nicht vorlag.
  • Mindestens 100 EUR teurer (z. Z. mit Jubiläumsrabatt für 289 Euro) gibt es das SteadyWonder. Dieses verwendet ein Trichterdrehlager, welches hauptsächlich bei leichteren Camcordern ein Vorteil sein könnte. Es besitzt einen geringeren Drehwiderstand als ein Kugellager. Allerdings gibt es beim SCHWEBi genau aus diesem Grund auch zwei verschieden starke Kugellager. Das SteadyWonder kann man für Kameras von 200 gr. bis 1.300 gr. nutzen und ist ohne Gegengewichte ca, 130 gr. leichter als SCHWEBi. An einer Version für Camcorder bis 2 kg wird noch gearbeitet. Auch dieses Stativ lag mir nicht vor.

Das gefällt mir nicht

Es gibt keine Sicherungsmechanismen gegen das Fallenlassen der gesamten Videoeinheit. Weiterhin gibt es keine Befestigungsmöglichkeiten für externe Monitore. Eine Nachfokussierung -- bei DSLRs -- ist nicht möglich, da das Video durch die Berührung der Kamera selbst bei Verwendung eines Follow Focus verwackeln würde.

Das gefällt mir

Die Verarbeitung ist in meinen Augen hochwertig und “Made in Germany”. Es handelt sich nicht um “China-Ware”. Selbst für Anfänger ist das SCHWEBi leicht zusammen zu bauen und es kam zumindest bei mir zu keinem Frusterlebnis. Im Gegenteil: Die ersten Erfolge hatte ich eine halbe Stunde nach dem auspacken. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt hier ebenfalls, da professionelle Varianten um ein vielfaches teurer sind. SCHWEBi lässt sich sehr gut transportieren und passt auch ins Handgepäck. Für meine Zwecke (und die vieler anderer Hobbyfilmer) leistet dieses Stativ sehr gute Arbeit. Wer sich zu dieser Zielgruppe zählt, dem kann ich SCHWEBi bedenkenlos empfehlen. Daher vergebe ich hier -- auch unter Brücksichtigung des Preises -- gerne die Testnote “1″.

Markus Cremer

Preise

  • Typ “s”: 155,00 Euro plus Versand/Lieferung
  • Typ “sc”: 189,00 Euro plus Versand/Lieferung

Hersteller / Bezugsquelle