Test: SPL Vitalizer MK2-T
in Plug-ins, Software von markus, 21. Dezember 2009 - Keine Kommentare »
Der MK2-T ist in der Hardware-Version seit über 18 Jahren im Einsatz. Zwei mir bekannte Tonstudios setzen ihn seit längerem ein. Zum Vergleich stand mir auch die Hardware-Version zur Verfügung. Vielen Dank an dieser Stelle an Burchard! Den Vitalizer gibt es als Hardware übrigens auch noch eine Nummer kleiner ohne Röhre (ohne “T” = Tube in der Bezeichnung) sowie eine Nummer größer als Tube Vitalizer. Das Plug-in bedient also die goldene Mitte, welche auch in vielen Studios zu finden ist.
Wirkungsweise
Was macht dieses Teil? Nun, im Prinzip das Gegenteil des psychoakustischen Effekts eines MP3 Decoders: Der Vitalizer demaskiert “versteckte” bzw. überlagerte Frequenzen um das Klangbild transparenter und druckvoller zu machen. Im Gegensatz zum Exciter fügt er aber keinerlei künstlichen Anteile hinzu sondern verbessert das vorhandene Material. So weit die Kurzversion. Mit welchen psychoakustischen Tricks SPL hier arbeitet ist mir als Musiker letztlich egal
Bedienung
Hier hat SPL wirklich den Vogel abgeschossen. Die GUI und auch die Funktionsweise der einzelnen Regler wurde 1:1 vom Original übernommen.
Hier die Hardware:
Und hier das Plug-in:

Selbst das aufwärmen der Röhren wird durch das 5-fache Blinken des “Active” Buttons simuliert, wenngleich man dies natürlich nicht abwarten muss. Die Software Variante ist sofort „aufgewärmt“. Dennoch ein netter Effekt. Über eben diesen Button kann man das Gerät (sorry: Plug-in) übrigens auch bypassen.
Der Vitalizer besteht aus folgenden Reglern:

- Drive: Bestimmt die Eingangsverstärkung des zu bearbeitenden Signals.
- Bass: In der 12 Uhr Position lässt dieser das Basssignal unbeeinflusst. Dreht man ihn nach links, wird der Bass weicher, nach rechts härter. Wie stark diese Bearbeitung dem Originalsignal beigemischt wird, bestimmt der “Process” Regler.
- Compression: Dieser Regler bedient einen auf den Bassbereich abgestimmten Kompressor. Hier wird nicht das Originalsignal komprimiert, sondern das bearbeitete Signal. Diese Art der Kompression nennt man auch parallele Kompression und findet bevorzugt bei Drums Anwendung (New York Compression). Dem Hauptsignal wird ein komprimiertes Signal hinzugemischt. Dieser Kompressor kommt mit nur einem Regler und einer “GR” (Gain Reduction) Anzeige aus. Das reicht vollkommen. Er packt gut zu und pumpen sucht man vergeblich.
- Mid-Hi-Tune: Oberhalb des gewählten Wertes liegende Frequenzen werden angehoben, die darunter liegenden werden abgesenkt. Dass die hohen Frequenzen am Regler links liegen, mutet im ersten Moment etwas seltsam an, macht aber Sinn: Je weiter man den Regler nach rechts dreht, desto heller wird das Signal. Neben der Anhebung kann man diesen Regler auch wunderbar zum entzerren einsetzen, wenn man hohe Werte wählt (Regler nach links).
- Process: Der Regler beeinflusst nicht nur den Bass, sondern auch auf den Mid-Hi Bereich. Nur alleine mit diesen 5 Reglern ergeben sich jede Menge Möglichkeiten.
Tipp
Vergesst die Werte und stellt nach Gehör ein Geringe Einstellungen mit hohen Process Werten ausprobieren (und umgekehrt).

- LC-EQ: Kümmert sich um die hochfrequenten Bereiche des Materials. Allerdings reicht die Filterung bis 2 kHz hinunter. Hier liegen die tiefen Frequenzen wirklich links
- Intensity: Auch hier wird das bearbeitete Signal dem Originalsignal hinzugemischt. Den Anteil stellt man über diesen Regler ein. Warum er hier nicht auch einfach “Process” genannt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.
- Stereo Expander: Dieser Effekt fügt das linke Signal phasenverdreht der rechten Seite hinzu und umgekehrt. Auch hier gilt: Nicht übertreiben und den Korrelationsgradmesser im Auge behalten. Ansonsten könnte es Probleme mit der Monokompatibilität geben. Und Eure Songs sollen doch unter Umständen auch im Radio laufen.
- Output: Diesen Regler gibt es beim Original nicht. Im Plug-in dient er dazu, den durch die Bearbeitung in der Regel höher gewordenen Pegel nicht über 0dB steigen zu lassen. Eine OVL (Clipping) LED zeigt an, wenn der Pegel die 0dB übersteigt. In der DAW kann und sollte man das natürlich auch genauer im Kanalzug kontrollieren.
- Settings: Auch diesen Bereich sucht man beim Original vergeblich. Lediglich die Röhre kann man durch das Gitter erkennen. Beim Plug-in lassen sich bis zu 4 Einstellungen speichern und so schnell vergleichen. Ein Vorteil gegenüber der Hardware.
Die Tatsache, dass man die Plug-in-Version auch in Mono-Kanäle einbinden kann, beschert einem die Möglichkeit z. B. seine Kicks oder Bässe gezielt zu bearbeiten.
Mir persönlich gefällt die sehr musikalische Herangehensweise von SPL. Auch wenn man im Vergleich zu grafischen EQs nicht “sieht” was man schraubt, ist gerade dies für mich ein Vorteil. Beim mixen geht’s doch um Sound und den hört man nun mal mit den Ohren und nicht mit den Augen
Mit dem Vitalizer kann man aber nicht nur im Bassbereich Einzelkanäle bearbeiten. Auch Stimmen erhalten die passende Portion “Crisp”.
Generell gilt auch hier
- Nicht übertreiben
- lieber mal eine Pause einlegen
- A/B Vergleiche machen!
Neben dem Bearbeiten von Einzelsignalen und dem Mix gibt es noch eine weitere Anwendungsmöglichkeit: Die Restaurierung von alten Aufnahmen. Ein prominenter User ist hier übrigens Bob Ludwig. Nebenbei kann man natürlich auch als Hifi-Freak seine gekauften CDs durch den Vitalizer schicken. Allerdings ist es hier wie bei einer Droge: Man kommt nur noch schwer davon los und gewöhnt sich an den Effekt.
