Dieses Tutorial richtet sich an Anfänger und Fortgeschrittene. Anhand der Kapitelüberschriften können Sie sich leicht orientieren. Unser Testsystem ist ein Mac Pro mit OSX 10.5.7 und Cubase 5.1. Die beschriebene Vorgehensweise betrifft jedoch zentral die Engine des virtuellen Instruments, sodass auch PC-User und Nutzer anderer Host-Sequenzer die Informationen nutzen können.

Installation
- Mit RAM haushalten
- Polyphonie vs. Legato
- Key-Switches
- Zuweisung von Midi-Controllern
- Weiterführende Funktionen des Settings-Menü
- 6a Belegung von Controller-Buttons mit Key-Switch Konfigurationen
- 6b Artikulationswechsel in Abhängigkeit von der Spielgeschwindigkeit
- 6c Dynamikkontrolle
- 6d Einsatzmöglichkeiten de Sustain-Pedals
- Legato-Konfigurationen
- Hot-Keys: Das Spiel mit Repetitionstasten und manuellem Vibrato
- Artikulationen über Controller einblenden
- Synchronspiel mehrerer Solo-Instrumente als Alternative zur Section
1. Installation
Wer bereits das NI Service-Center und den Kontakt-Player 3.5 oder 4 auf seiner Festplatte aktualisiert hat, sollte nur die Library installieren, um zu vermeiden, dass neuere Versionen durch ältere überschrieben werden. Nach dem Bestätigen der Lizenzvereinbarung wird im zweiten Installationsschritt ein Zielordner für “Kontakt Player 2″ definiert. Hier kann man ruhig auf “continue” klicken, im dritten Schritt wählt man jedoch nicht “easy install”, sondern “custom install” und setzt seinen Haken nur bei der Library, wie hier abgebildet:

custom install
Anschließend fragt das Installationsprogramm nach einem Zielordner, in den die Daten geschrieben werden sollen. Dieser lässt sich auch jetzt noch anlegen und kann sich grundsätzlich auf einer beliebigen Festplatte (auch einer externen) befinden.

Warnhinweis Zielordner
Auch nachträglich lassen sich die Samples noch auf eine andere Festplatte transferieren und anschließend im NI-Kontakt-Player oder in Kontakt neu zuweisen. Dazu kopiert man die Library und löscht anschließend die alte Version bzw. verschiebt diese in den Papierkorb. Falls beim Kopieren Fehler aufgetreten sein sollten, kann man sie so immer noch reaktivieren und muss die Samples nicht nochmals von den DVDs laden. Im Kontakt (-Player)-Fenster erscheint nun folgendes Bild:

Library not found
Man klickt auf “locate” …

Suchfenster
… und da man sich schlauerweise gemerkt hat, wo die neue Library liegt, anschließend auf “Browse for folder”, und da ist sie wieder:

Library
Den neuen Pfad hat sich Kontakt gemerkt.
2. Mit RAM haushalten
Auch aktuelle Rechner mit vergleichsweise großzügiger RAM-Versorgung können bei Verwendung mehrerer speicherintensiver Instrumente schnell an ihre Grenzen stoßen. Umfangreiche Schlagzeug-Libraries mit zahlreichen Velocity-Stufen und lang ausklingenden Becken-Samples sind ein beliebter RAM-Fresser. Aber auch andere Instrumente, wie man sie beispielsweise in den EastWest-Libraries oder in Chris Heins Bass- oder Gitarrensammlung findet, gehören dazu. Und mit ein wenig Verwunderung stellt man fest, dass regelmäßig Probleme bei der Speicherausnutzung durch suboptimale RAM-Zuweisungsprozesse hinzukommen. Alles in allem also ein Grund, sich zu überlegen, ob man alle Instrumente wirklich in ihrer vollen Pracht benötigt.
Neben den Vollversionen, die bis zu ca. 350 MB beanspruchen, stehen auch ECO- und reine Sustain-Varianten zur Verfügung. Gespart wird hier nicht an den (bis zu 16) Velocity-Layern, sondern an Artikulationen. Bei den ECO-Varianten verzichtet man auf die speicherintensiven Crescendo- und Glide-Artikulationen. Der Speicherbedarf liegt knapp über der Hälfte der Vollversionen. Per Velo-Fade-Modus kann man auch beim Verzicht auf die Crescendo-Samples trotzdem noch Lautstärkeverläufe innerhalb einer Note realisieren, allerdings kommen diese an die Natürlichkeit der Crescendo-Samples nicht heran. Wir kommen später noch auf dieses Thema zurück.
Speziell bei den speicherhungrigen Sections lohnt es sich darüber nachzudenken, ob die ECO- oder Sustain-Version (mit ca. 20-50 MB) nicht ausreicht, zumal die Glides der Section-Full Patches nur bedingt eingesetzt werden können, da die Engine (offensichtlich beim internen Synchronisieren einzelner Stimmen) gelegentlich Buzz-Effekt-ähnliche Artefakte am Ende der Slides ausgibt, die dem ansonsten exzellenten Gesamtsound eher abträglich sind.
3. Polyphonie vs. Legto
Wer im Relax-Modus des Hauptfensters startet, wird neben dem Convolution-Reverb mit einer scheinbaren Monophonie des Instruments konfrontiert. Den Reverb kann man im Menü “Convolution” ausschalten (oder sich auch erst einmal durch die diversen Raum-Presets durchhören).

Edit-Pages

Convolution-Presets
Das Geheimnis der Monophonie verbirgt sich auf der Settings-Page. Die default-Artikulation ist bei allen Instrumenten “Sustain” (Key-Switch C0) und sieht einen Legato-Modus vor. Schaltet man diesen aus, werden auch die Solo-Instrumente mehrstimmig. Erst bei Betätigung des Sustain-Pedals und bei Aktivierung der Glide-Samples schaltet die Engine wieder kurzzeitig auf Monophonie um.

Legato off = Polyphonie
4. Key-Switches
Die unterschiedlichen Artikulationen des Instruments sind auf Key-Switches verteilt. Diese liegen von C0 aufwärts bis F1 und sind nicht als rote Tasten auf der virtuellen Tastatur gekennzeichnet. Sinnvollerweise sind die meisten dieser Artikultionen von Haus aus nicht für ein Legato-Spiel vorgesehen. Bei Stabs oder Falls beispielsweise benötigt man ebensowenig ein Legato wie bei den Crescendo Samples, die in drei verschiedenen Längen vorliegen und alle einen Akzent am Sampleende ausweisen. Hat man also die Sustain-Variante auf “Legato off” umgestellt, kann man das Solo-Instrument auch ohne große Umbauten in diversen Artikulationen polyphon spielen. Diese Polyphonie klingt, Artikulationswechsel hinzugenommen, recht hübsch und ist herkömmlichen polyphonen Sample-Patches überlegen. Es geht jedoch viel besser, wie wir weiter unten noch sehen werden.
Über KS normal / next Note / hold bestimmt man, ob der Key-Switch bis zum nächsten aktiv bleibt (normal), nur für die Folgenote gilt (next Note) oder nur während des Haltens der Key-Switch Taste die Artikulationswahl definiert (hold).

Key-Switch-Modi
Einen Überblick über die Key-Switches bietet das Info-Panel, im Instrumenten Browser unter “Load This” zu finden:

Instrumenten Browser

Key-Switch Info Panel
Es fällt auf, dass verschiedene Sustain-Varianten vorliegen. Diese bauen auf unterschiedlichen Sustain-Samples auf, die sich im Klangverlauf unterscheiden. Die prägnantesten Unterschiede liegen in der Attack-Phase. Abgesehen davon ändert sich die Konfiguration des Settings-Panels mit dem Wechsel zwischen den Sustain-Versionen. Hintergrund ist, dass bei den Chris Hein Horns ein Key-Switch nicht lediglich einen Artikulationswechsel, sondern vielmehr einen Parameterwechsel der gesamten Spielart-Konfiguration mit sich zieht.

Settings-Panel Sustain 1 (C0)

Settings-Panel Sustain 2 (Dis 0)
Alle Parameter des Settings-Panels können für jeden Key-Switch separat definiert werden. Per default ist beispielsweise für Sustain 01 der Legato-Mode vorgesehen, Sustain 2 (Keyswitch Dis 0) ist so programmiert, dass beim Legato-Spiel ein Glide ausgelöst wird.
Zuweisung von Midi-Controllern
Apropos Glide: Hier wird kein (synthetisch klingendes) Pitchbending, sondern ein kleiner Lauf verwendet. Wieviele Halbtöne dieser Lauf maximal beinhalten soll, stellt man im Feld “Max Step” ein, die Geschwindigkeit des Laufes unter “Glide Speed”. Glide Speed ist ein Regler – und wie alle Regler der Chris Hein Horns kann dieser per Midi-Controller gesteuert und graphisch im Host Sequenzer bearbeitet werden.

Glide-Parameter
Um “Glide Speed” einem Hardware-Midi-Controller zuzuordnen wechselt man von Settings- in das CC-Settings/Hotkeys-Menü.

Menüwechsel

Select Controller
Von der Panelmitte nach rechts findet man die Midi-Controller. Zunächst ist hier das Modulation-Wheel und das Pitchbend-Rad konfigurierbar. Theoretisch könnten wir den Glide-Speed-Parameter also auch auf Pitchbend up oder Pitchbend down legen.
Bewegt man einen beliebigen Hardware-Controller, so wird dieser ganz rechts in der Spalte unter “Select Controller” angezeigt. Unser Hardware-Controller ist auf CC5 konfiguriert. Im Pull-Down-Menü unter der Controlleranzeige wählen wir nun “Glide-Speed” als Zielparameter.

Controllerauswahl
Sämtliche Regler der Engine stehen für die Controllerzuweisung bereit. Lobenswerter Weise hat der Hersteller auch daran gedacht, den Wirkungsbereich der Controller zu definieren. Unter Controller Range kann dieser genau definiert werden. Auch eine Umkehrung (von 100% zu 0%) ist möglich. Wir kommen später noch darauf zurück.
Zur Veranschaulichung der Sustain-Key-Switch-Wechsel und der Glide-Speed-Manipulationen hören Sie im folgenden Audiodemo zunächst die Sustain 1 – Variante (Key Switch 0), dann die Sustain 2 Variante (nach Drücken der Key-Switch Taste Dis 0). Die Noten sind legato gespielt. Für Sustain 2 bedeutet das, dass ein Glide gespielt wird. Die Geschwindigkeit des Glides haben wir mit CC5 beim dritten Durchgang verändert.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
6. Weiterführende Funktionen des Settings-Menü
Zurück zum Settings-Fenster: Dort finden sich eine reichliche Anzahl von Parametern, die den individuellen Einsatz der Instrumente erleichtern – wobei nochmals betont werden soll, dass diese Einstellungen für jeden Key-Switch (also für jede Artikulation) getrennt vorgenommen werden können.
6a Belegung von Controller-Buttons mit Key-Switch Konfigurationen
Die Hauptartikulation läßt sich mit dem Key-Switch-Regler oder dem ersten Pull-Down-Menü direkt rechts daneben anwählen. Der Regler ist prinzipiell per MIDI-Controller steuerbar. Auf den ersten Blick macht dieser Regler wenig Sinn. Wer will schon mit dem Modulationsrad quer durch das ganze Spektrum an Artikulationen scrollen? Mit einem kleinen Trick läßt sich jedoch eine sehr gezielte Ansteuerung einer einzelnen Artikulation realisieren. Dazu legt man den Preset-Regler auf einen Midi-CC-Schalter: Wechseln Sie ins CC-Setings/Hotkeys-Menü, betätigen Sie den gewünschten Controller-Button, weisen Sie ihm als Ziel “Presets” zu und stellen Sie eine Range von 0-8% ein (mit diesen Werten erreichen Sie einen Wechsel von Sustain 1 zu Sustain 2).

Preset-Wechsel per Controller-Button
Weitere Controller-Buttons können nach gleicher Vorgehensweise hinzugefügt werden, sodass ein tastaturunabhängiges Hardware-Controller-Panel konfiguriert werden kann. Diese Arbeit erweist sich als nützlich, wenn man (beispielsweise live) keine 88er Tastatur zur Verfügung hat und die Key-Switch-Tasten außerhalb der Reichweite liegen.
6b Artikulationswechsel in Abhängigkeit von der Spielgeschwindigkeit
Mit KS-Transpose läßt sich jede Artikulation separat auf dem Keyboard verschieben. Mit ”Speed Control” bestimmt man, ob bei Triggern derselben Taste unterhalb eines Zeitwertes eine andere Artikulation ausgelöst wird. Beispiel: Nimmt man den Key-Switch Sustain (per default C0), stellt das Zeitintervall auf 200ms und als Speed-Artikulation ”Short” (oder etwas subtiler in der Wirkung: ”Sustain-Speed”), so wird beim Wiederholen einer Note innerhalb von 200 ms nicht nochmals die Sustain, sondern die ”Short”- Artikulation abgespielt. Auch diese Funktion ist durchdacht und funktioniert erfreulicher Weise auch, wenn zwischendurch andere Noten gespielt werden, beispielsweise bei einem Triller, nicht jedoch bei gebundenen Noten (legato), wo sie auch fehl am Platz wäre. Per default ist ”sustain speed” eingestellt, bei der das Attack des zweiten Samples subtil beschnitten ist.
6c Dynamikkontrolle
Im Velo-Mode bestimmt man die Dynamikkontrolle des Instruments: Drei verschiedene Velo-Modes ermöglichen es, die Lautstärke nach dem Attack via Midi-Controller zu steuern um z. B. Crescendo oder Decrescendo Effekte (An- oder Abschwellen des Sounds) zu erzielen. Im ersten “Velo-Mode” wird die Lautstärke nur über die Velocity vorgegeben, wählt man “Velo-Fade”, wird die Lautstärke nur per Midi-Controller (CC11) geregelt. Bei “Velo-Mode & Fade” bleibt die Anschlagsdynamik erhalten, kann aber nach dem Attack via CC verändert werden. Dafür dass es dabei nicht zu unerwünschten Dynamiksprüngen kommt, sorgt die gut durchdachte Engine im Hintergrund. Spiel man z. B. einen Ton mit Velocity 64, ändert sich an der Lautstärke nichts, wenn man CC11 von 0-63 aufdreht. Dreht man weiter, wird die Lautstärke ab dem Wert 64 sanft “abgeholt” und folgt danach der Controllerbewegung.
Der Controller 11 ist für diese Funktion vorgesehen; damit sollte in der Regel ein Expression-Pedal die Steuerung übernehmen. Im Menü CC-Settings läßt sich bei Bedarf jedoch auch ein anderer Hardware-Controller, beispielsweise ein Breath-Controller zuweisen. Das Prozedere haben wir bereits kennengelernt: CC Settings/Hotkeys Menü, Controller triggern oder aus dem Pull-Down-menü wählen, als Ziel Velo-Fade wählen. Bei der Dynamiksteuerung wird man den gesamten Umfang des Wirkungsbereiches beanspruchen, also die Voreinstellung 0-100% beibehalten.
Bei unserem Testsystem erwies sich die Steuerung über einen Yamaha BC3 Breath-Controller als widerspenstig. Die Kalibrierung des Breath-Controllers mittels Offset und Gain-Regler (der Yamaha Hardware) war Millimeterarbeit. Trotzdem ließ das Ergebnis zu wünschen übrig. Es hörte sich zunächst so an, als ob der BC3 unsaubere, sprunghafte Midi-Daten übermitteln würde. Entsprechend tauchten mitten im Sound Knackser auf. Ein Blick in die Controllerspur von Cubase bestätigte den Eindruck:

Breath-Controllerspur in Cubase
Es stellte sich jedoch heraus, dass der Fehler der dazwischen geschalteten Miditech MTB Command-Konsole zugeschrieben werden muß, an deren Breath-Controller Eingang der Yamaha BC3 angeschlossen war, denn auch Bewegungen anderer Regler der Konsole führten zur Aufzeichnung von Datensprüngen in der Controllerspur. Mit einem Fußpedal ging es schließlich besser.

Fußpedal-Controllerspur in Cubase
Sollten Sie also über die Anschaffung eines Breath-Controllers nachdenken und über kein Gerät mit entsprechendem Eingang verfügen, sei hier darauf hingewiesen, dass der zur Zeit im Paket mit dem BC3 günstig erhältliche Miditech MTB Command zumindest für Mac-User und im USB-Anschluß-Betrieb möglicherweise unbefriedigende Ergebnisse produziert – vorausgesetzt, dass sich die Erfahrung mit unserem Testsystem auf andere Systeme übertragen lässt.
“Velo Mode & Fade” und “Fade” eignen sich, um Crescendo und Decrescendo zu simulieren, ohne auf die speziellen Samples zurückzugreifen, was insbesondere bei den ECO- oder Sustain-Patches eine hilfreiche Ergänzung darstellt (da diese keine Crescendo-Samples beinhalten).
Wie das folgende Audiodemo zeigt, gelingt die Überblendung zwischen den Velocity-Layern jedoch nicht bei jedem Instrument ganz sauber.
Zunächst das Alto-Sax:
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Beim ECO-Flügelhorn C hört es sich besser an:
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Verzichtet man auf das Überblenden der Velocity-Layer, kann man ein Crescendo auch erzeugen, indem man den Breath-Controller (oder das Pedal) auf den Volumen-Fader legt. Damit Velocity-Werte nicht mit den Volumen-Werten der Controller in Konflikt geraten, bleibt man im Velo-Fade-Modus, der den Einfluß der Anschlagsstärke ausschaltet.
6d Einsatzmöglichkeiten des Sustain-Pedals
Die Zuweisung des Sustain-Pedals erfolgt ebenfalls über die Settings-Seite. Ein Druck auf das Pedal löst per default einen Glide aus. Alternativ kann die Anwahl eines der 5 Legato-Modi programmiert oder die klassische Hold-Funktion gewählt werden.

Wie oben bereits erwähnt, sind abhängig vom Instrument nicht alle Glides frei von unerwünschten Artefakten Auf unserem Testsystem waren hiervon die Libraries 1&2 betroffen, 3&4 hingegen nicht. Beim Betrieb des Sutain-Pedals zum Wechsel zwischen zwei Legato-Modi kam es vereinzelt zu Notenhängern. Nicht immer hilft es, das Instrument zu muten, um den Hänger zu beseitigen. Abspeichern und Neuladen (des Instruments, nicht des Somgs!) funktioniert jedoch immer ohne Absturz. Dazu sollte man die eigene Instrumenten-Bearbeitung mit einem neuen Namen versehen in einem separaten Ordner ablegen:
In der Kontakt-Kopfzeile klickt man auf das “File”-Icon, wählt mit “save as” das neu benannte Instrument an und kann im anschließenden Dialog in der Ordnerstruktur der Festplatte blättern.

Abspeichern eigener Instrumente.
Diese Funktion braucht man nicht nur bei Notenhängern, sondern vor allem für individuell konfigurierte Instrumente.
7. Legato-Konfigurationen
Opulent ausgestattet ist die Legato-Abteilung: Die bereits erwähnten 5 Legato-Modi sind bis ins kleinste programmierbar. Da sie erheblich zur Flexibilität des Instruments beitragen, sollen sie im Folgenden genauer beleuchtet werden:
Die Legato-Abteilung der Settings-Seite bietet 3 Pull-Down-Buttons: Der erste dient der Wahl eines der 5 Legato-Presets, der zweite definiert die Zielartikulation für Legato up (die gebunden gespielte Note liegt über der Anfangsnote) und der dritte das Gleiche für die andere Richtung, legato down.

Legato-Zielartikulationen
Bei überlappend gespielten Noten entfällt die Attack-Phase der Folgenote(n).
Im folgenden Audiodemo hören sie die default-Einstellung des ersten Legato-Presets: beide Zielnoten (mit der Bezeichnung “Legato”) sind Sustain-Artikulationen mit ausgeblendeter Attack-Phase.
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Mehr Abwechslung bringen von der Sustain-Artikulation stark abweichende Spielformen; hier ein Beispiel mit der Artikulation “grace” für Legato up und “Doit” für Legato down:
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Nun wird man in einem Solo nicht bei jedem Legato solche Akzente setzen wollen. Aufgrund der flexiblen Konfigurierbarkeit der Chris Hein Horns ist es jedoch möglich, verschiedene Legato-Spielweisen mit der Ausgangsartikulation Sustain auf unterschiedliche Key-Switches zu verteilen und von diesen aus dann bei Bedarf zu triggern. Dazu definiert man zunächst für die 5 Legato-Modi die gewünschten Artikulationswechsel (wie oben beschrieben), wählt dann der Reihe nach die Key-Switch-Tasten (durch Drücken der Taste auf dem Keyboard, durch den Keyswitch-Preset-Regler oder über das Pulldown-Menü daneben), stellt unter “KS Artikulation” die Basis-Spielweise ein (hier: Sustain) und wählt je einen der fünf Legato-Modi für die 5 neuen Sustain-Key-Switches.
Neue Key-Switches lassen sich nicht unterhalb von C0 definieren – man wird für das neue Instrument vorhandene Key-Switch-Belegungen umprogrammieren müssen. Die neue Vielfalt an Legato-Spielweisen geht zu Lasten einiger per default eingestellten Artikulationen. Diese können jedoch über eine analog vorgenommene “speed control”-Belegung wieder zurück ins Boot geholt werden, soweit man sie nicht sowieso schon in den Legato-Modus eingebaut hat. Man sieht schon, die Sache wird recht bunt, und man sollte nicht zuviel tun, sondern gezielt die Artikulationen verwenden, die man auch benötigt.
Man kann das Legato-Spiel jedoch auch auf sehr subtile Weise variieren, ohne gleich in die große Trickkiste der Artikulationswechsel zu greifen: Für fortgeschrittene Anwendungen gibt es für jeden Legato-Mode ein spezielles Legato-Settings-Menü, mit dem man recht tief in die Gestaltung des Spiels gebundener Noten eingreifen kann. Fade-Out – Time und – Offset (verzögerter Einsatz des Fade-Out) der ersten Note, Fade-In Time und Offset der zweiten (Ziel-)Note, Tune Out und Tune In der beiden Noten (Parameter: Offset, Tune in cent, Länge in ms und Slope (Tonübergangskurve) stehen zur Verfügung. Nach so viel Feinarbeit, sollte man das neue Instrument erst einmal sichern (s. o.).

Legato-Settings
8. Hot-Keys: Das Spiel mit Repetitionstasten und manuellem Vibrato
Einen ”on the fly” – Zugriff auf Basis-Artikulationen bringen die “Hot Keys” (F#1 bis B1) ins Spiel. Ein Hot-Key wiederholt die zuletzt gespielte Note in der ihm zugewiesenen Artikulation. Die Definition erfolgt über das Menü CC Settings/Hotkeys. Der oberste Button (in der unteren Abbildung weiß dargestellt) bewirkt, dass die gehaltene erste Note beim Triggern des Hotkeys gestoppt wird und sollte in der Regel aktiviert sein. Das Spiel über Hot-Keys ist eine sinnvolle Alternative zum ”Round Robin”, da hier die Abwechslungen gezielt und nicht nach dem Zufallsprinzip vorgenommen werden. Mit “Fall” und “Doit” kann man eine Note nach unten oder oben abgleiten lassen. Drückt man den entsprechenden Hot-Key, wird das aktuell gespielte Sample gestoppt und in die Fall- oder Doit- Effektsamples überblendet. Die Definition eines Hot-Keys erfolgt über ein Pull-Down-Menü.

Sehr schön gelöst ist zudem die Steuerung eines natürlich klingenden Vibratos über einen Hotkey: Die Anschlagsstärke des Hotkeys bestimmt die Pitchrange des Vibratos, dessen Frequenz man einfach über die Geschwindigkeit des Triggerns der Taste steuert. Eine grundlegende Begrenzung der Lautstärke und der Pitchbend-Spanne des Vibratos legt man auf der Settings-Seite in den Key Vibrato Eingabefeldern fest.
9. Artikulationen über Controller einblenden
Die Möglichkeiten, auf verschiedene Artikulationen zuzugreifen sind sehr vielfältig. Kennen gelernt haben wir bislang das Einbinden von Artikulationswechseln über die Speed-Control, die Glide-Funktion, die Legato-Modi, zudem die komplexen Konfigurationen von Key-Switches und als weitere Option die Hot-Keys incl. Key-Vibrato. Auch die Zuweisung von Midi-Controllern für alle Regler (und Fader) war bereits Thema.
Über die Menüseite “Sound EFX” finden sich weitere Regler, mit denen Artikulationen per Controller beigemischt werden können.

Sound-EFX-Menü des Alt-Saxophons aus der Library 2
Ending-Samples wie die diversen Releases, Doit oder Fall erklingen bei aufgedrehtem Regler nach dem Note-off jeder Taste, intelligenterweise aber nicht inmitten eines gebundenem Spiels bzw. dort erst nach Beenden der Legato-Passage. Der Growl-Effekt ist sehr stark; hier hilft bei der Zuweisung des Midi-Controllers eine Begrenzung des Wirkungsbereichs (wie oben bereits besprochen).
Wer über ein x/y-Pad verfügt, kann sehr schön zwei Parameter (beispielsweise Growl und Attack 2) simultan steuern und so auch ohne Artikulationswechsel über Key-Switches bereits ein sehr lebendiges Spiel realisieren.
Einen Überblick über alle Parameter, denen MIDI-Controller zugewiesen werden können, finden Sie übrigens in bereits erwähnten “load this”-Ordner der Library. Auh die hier nicht besprochenen beiden DSP-Effektabteilungen (Chorus, Flanger und Co) gehören zu den potentiellen Controllerzielen.
10. Synchronspiel mehrerer Solo-Instrumente als Alternative zur Section
Die Chris Hein Horns bieten hervorragende Möglichkeiten zur Gestaltung von Bläsergruppen jenseits der Polyphonie eines Instruments und auch abgesehen von den Sections, die zur Library gehören. Die Möglichkeit über das Menü “Velo./ Section” die Anzahl der Stimmen zu erhöhen war damit nicht gemeint. Vielmehr ist es so, dass einerseits durch das Aufnahmeverfahren, bei dem die Samples zu bereits aufgenommenem Material synchron eingespielt wurden und abdererseits durch die kompatible Gestaltung der default-Konfigurationen aller Instrumente bequem Midi-Tracks eines Saxophons (z.B.) auf ein anderes Instrument (ein Alphorn) aus der Sammlung übertragen werden können.
Dazu geht man folgendermaßen vor:
- Man spielt ein erstes Instrument (mit Midi-Kanal 1) ein
- setzt und korrigiert im nachhinein Key-Switches und Controllerdaten im Host-Sequenzer
- lädt ein zweites Instrument der Library (auf Midi Kanal 2) und kopiert
- den Track von Instrument 1 auf die neue Midi-Spur.
Anschließend kann man bei Bedarf die Midi-Spur transponieren um die Oktavlage anzupassen oder Intervalle einzubauen. Auch kleine Timingungenauigkeiten lassen sich durch unterschiedlich starkes Quantisieren der beiden Spuren leicht erzeugen, ohne dabei einzelne Noten editieren zu müssen. Wichtig ist, dass man beim Quantisieren die key-switches nicht mit erwischt, denn deren Synchronizität ist das A & O des Zusammenspiels.
Die folgende und dieses Tutorial abschließende, etwas unkonventionelle Bläserpassage ist auf die beschriebene Weise einstanden:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
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