Nach langer Wartezeit kommt mit The Grand 3 endlich der ersehnte Nachfolger der Steinberg-Piano-Reihe. Die neue Version verfügt über eine erheblich umfangreichere Library und eine neue Oberfläche. Doch inzwischen hat sich auch bei den Mitbewerbern einiges getan. Wir haben The Grand 3 für Sie unter die Lupe genommen und mit dem Mitbewerber EastWest/QL Pianos verglichen.

The Grand 3
Installation
The Grand 3 verfügt über ein komfortables Installationsprogramm wahlweise in deutscher Sprache. Teile der Library können auch nachträglich auf die Festplatte kopiert werden. Die komplette Bibliothek nimmt 29,1 GB Anspruch. Der Speicherpfad – auch zu einer externen Harddisk – wird während der Installation eingegeben:

Pianos auf dem Weg in die DAW
Für die Autorisierung benötigt man einen USB-eLicenser, der nicht im Lieferumfang enthalten ist. Die Lizenz kann auch auf einen vorhandenen eLicenser (z. B. den von Cubase) geschrieben werden. Der Vorgang läuft halbautomatisch und reibungslos ab.
The Grand 3 kann Standalone oder als Plug-in (VST, AU) auf Windows- und Mac-Rechnern betrieben werden. Dieser Test bezieht sich auf die Anwendung unter Cubase 5.1 als VST-Plug-In und auf einem Intel-Mac unter OSX 10.5.7.
Überblick
The Grand 3 transportiert gleich mehrere Modelle in die DAW. Dazu zählen drei Flügel:
- der obertonreiche Yamaha C7, der gerne für Pop-Produktionen verwendet wird
- der Steinway Model D, der für seinen vollen, warmen Klang bekannt ist, und der
- Bösendörfer 290 Imperial dessen Umfang von 97 Tasten berücksichtigt wurde. Der Bösendörfer gilt als ein sehr dynamischer Flügel mit hoher Ausdruckskraft sowohl bei Pianissimo- als auch bei Fortissimo-Passagen.
Damit nicht genug, gesellt sich ein Nordiska Upright-Piano und ein gesampeltes Yamaha CP80 Electric Grand hinzu. Das Upright Piano zielt speziell auf Jazz-, Pop-, Lounge Anwendungen, ebenso wie das CP80 Electric Grand, welches zusätzlich über die Effekte Tremolo, Phaser, Flanger und Chorus verfügt.

Die Modellbibliothek von The Grand 3
Die vier akustischen Modelle wurden mit bis zu 20 Velocity-Layern aufgenommen. Neben Close-Samples gibt es auch Player-Samples, die die Hörposition des Pianisten abbilden. Für einen Raum-Eindruck sorgen integrierte Hall-Programme: Ein Convolution-Reverb, der auf dem Hall-Plug-in Reverence aus Cubase 5 aufbaut sowie ein algoritmischer Reverb.
Technische Details
Fangen wir mit dem Yamaha C7 an. Die Ladezeit auf unserem Rechner beträgt ca. eine Minute. Im Hauptfenster finden sich 5 Soundregler, mit denen sich Teilbereiche des Gesamtklangs um 12dB anheben oder (maximal) komplett ausblenden lassen: Sustain Resonance, String Release, Key Sound (Anschlagsgeräusch). Key Sound, Hammer-Release und Damper Pedal fügen diskret die entsprechenden Nebengeräusche hinzu, Sustain Resonance und String Release erweisen sich ebenfalls als subtile Parameter, die bei Solo-Piano-Passagen hörbar sind, im Kontext eines kompletten Songs oder einer Komposition, bei der das Piano als Begleitinstrument eher in den Hintergrund tritt, jedoch kaum wahrgenommen werden können. Auch der Unterschied zwischen Close- und Player Mikrophonierung erweist sich beim C7 als eher subtil.

C7 Close, Hauptfenster
Der Klang des Yamaha C7 ist sehr klar, transparent und frisch. Damit wird er sich in einem Pop-Arrangement sehr gut durchsetzen können. Ihm fehlt weitgehend die Patina, d. h. er klingt nicht so sehr nach Holzkörper wie beispielsweise die EastWest/Quanum-Leap Version des selben Instruments – dafür dürfte er jedoch in einem Mix leichter zu handhaben sein und besser hervortreten. Auf der zweiten Edit-Seite findet man einen 4-fach vollparametrischen Equalizer, womit für die Bearbeitung des Frequenzspektrums keine Wünsche offen bleiben sollten: Dem C7 tut es (für meinen persönlichen Geschmack) gut, wenn man die Bässe etwas anhebt; er gewinnt dadurch an Volumen.

Der EQ
Im Ambience-Fenster ergreift man den Flügel von oben und schiebt ihn über die Bühne – und zwar nicht nur von links nach rechts, sondern auch näher zum Publikum oder in den Hintergrund. Gleichermaßen tritt der Klang des Flügels dadurch hervor (und wird transientenreicher und brillanter) oder zurück (und wird wärmer, dezenter). Traditionell ausgerichtete User können den Flügel auch per Regler verschieben.
Darunter findet man den bereits erwähnten Reverb mit reichlichen Presets und den Parametern Raumgröße, Nachhallzeit, Predelay und Mix. Raumarchitekten sind gut versorgt.
Die Control-Seite
Gut ausgerüstet ist man auch mit Velocity-Optionen. Neben einer Reihe von vordefinierten Kurven kann eine eigene Version der Anschlagsstärke eingezeichnet und abgespeichert werden. Des Weiteren kann man auf dieser Seite die Polyphonie begrenzen, was spätestens dann sinnvoll wird, wenn der Rechner an seine Leistungsgrenze stößt. Damit bei einem Solo-Spiel mit der rechten Hand und einer Begleitung mit der linken auch bei starker Begrenzung der Stimmenzahl keine Begleitakkorde abgeschaltet werden, lässt sich mittels “Low Note Res.” für die tieferen Lagen eine Reservierung von Stimmen vornehmen.
Auf der Options-Seite findet man neben exotischen Stimmungen des Flügels (Indisch und diverse arabische Stimmungen) den wichtigen Disk/Ram-Regler, mit dem das Laden der Samples an den zur Verfügung stehenden Arbeitsspeicher anpassen kann. Auch bei der maximalen Einstellung für RAM werden nicht alle Samples in den Speicher geladen und das Disk-Streaming bleibt weiterhin aktiv. Der Yamaha C7 brachte es in dieser Position auf knapp 1,2 GB Ram-Verbrauch; in der Minimal-Stellung auf knapp 500 MB.

Options-Seite
Auskunft über die Belastung des Rechners gibt die CPU/Disk/Voices-Anzeige des Hauptfensters.

Der Anspruch an den Rechner wird in Echtzeit dokumentiert.
Zum Anpassen des Flügels an leistungsschwächere Rechner steht zudem ein ECO-Mode und ein RAM-Save-Button bereit. Per RAM-Save werden alle Samples aus dem Speicher entfernt, die nicht benutzt wurden. Bei Bedarf lassen sie sich später wieder nachladen.
Sound und Spielpraxis
Nach der Definition einer persönlichen Velocity-Kurve wird man allenfalls noch mit dem integrierten Equalizer kleine Klanganpassungen vornehmen. Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten wird man eher auf einen externen Hall in einem FX-Send-Kanal zurückgreifen, als die internen Optionen nutzen. Das A und O ist also der Klang. Den mischtechnisch unproblematischen, brillanten Sound des Yamaha C7 haben wir oben bereits beschrieben.
Erwartungsgemäß klingt der Steinway etwas wärmer, zurückhaltender und eignet sich gut für klassische Darbietungen. Der Unterschied zwischen Close- und Player-Position ist hier etwas auffälliger: Überraschenderweise klingt die Player-Mikrophonierung höhen- und transientenreicher als die Close-Abnahme. Dies trifft auch auf den Bösendörfer zu, der sich im Vergleich zum Steinway wiederum eine Spur dezenter und wärmer gibt.
Auch das Upright-Piano weist über alle Oktaven einen fein nuancierten Klang auf und eignet sich sehr gut für Pop- und Jazz-Anwendungen. Naturgemäß liefert es nicht das Soundvolumen der großen Flügel; dafür hat es eine wunderbar persönliche Note. Auf der Options-Page/Scale Tuning kann man zudem jede einzelne Note separat verstimmen und sich so ein eigenes Honky-Tonk-Model zusammenbasteln.
Soundbeispiele
Bösendorfer 290
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Yamaha C7
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Yamaha CP80
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Steinway D
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Upright Piano
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Mehr als eine nette Dreingabe ist der Yamaha CP80 E-Flügel mit seinem weichen bis perlenden Klang. Auch die Effektabteilung erweist sich als sehr brauchbar und passend zum Modell.

Yamaha CP 80: Mehr als eine nette Dreingabe

Fazit
Für etwas mehr als 300 Euro (Straßenpreis) bietet Steinberg mit The Grand 3 eine in ihrer Vielseitigkeit und in ihrer hohen Audioqualität beeindruckende Kollektion an Pianos. Alle Instrumente sind in allen Oktavlagen sehr sauber gesampelt und weisen einen grundsätzlich prägnanten und transparetenen Klang auf. Dabei treten die Unterschede zwischen den drei Flügeln nicht so stark hervor wie beispielsweise bei der EastWes/QL-Piano-Library. Im Vergleich heben sich die Steinberg-Flügel im Mix besser ab; dafür klingen die EastWes-Pianos eine Spur mehr nach Holz – aber auch stumpfer. Überzeugen kann auch das Upright-Piano, welches über eine wunscherschöne persönliche Note verfügt und der Yamaha CP 80 als großer Bruder der E-Pianos.
Stabilitätsprobleme oder Bugs gab es während der Testphase kein einziges Mal. Mit einem aktuellen Rechner kommt man auch bei Vollausnutzung der Möglichkeiten selten über 25% CPU-Last; für weniger leistungsstarke Systeme stehen diverse ECO- und Anpassungsvarianten bereit.
The Grand 3 kann man als rundum gelungenes Paket zu einem fairen Preis bezeichnen.
Systemanforderungen Mac
- Mac OS X 10.5
- Power Mac G5 Dual 2.0 GHz oder Intel Core Duo 2.0 GHz Prozessor
- 2 GB RAM
- Ca. 32 GB freier Festplattenplatz
- Bildschirmauflösung 1024 x 768 Pixel
- CoreAudio kompatible Audiohardware
- DVD-ROM Laufwerk mit Dual-Layer Unterstützung
- USB-Port für USB-eLicenser/Steinberg Key (Lizenzmanagement)
- USB-eLicenser/Steinberg Key erforderlich*
- Internet-Zugang für Lizenzaktivierung
- Für die Nutzung als Plug-in oder ReWire Slave ist eine VST2, VST3, AU oder ReWire kompatible Host-Applikation erforderlich
Systemanforderungen PC
- Windows XP (SP2) oder Windows Vista
- 2.0 GHz Dual-Core Mobile oder Dual-Core 2.0 GHz Prozessor
- 2 GB RAM
- Ca. 32 GB freier Festplattenplatz
- Bildschirmauflösung 1024 x 768 Pixel
- Windows DirectX-kompatible Audio-Hardware (ASIO-kompatible Audio-Hardware für Low-Latency-Betrieb empfohlen)
- DVD-ROM Laufwerk mit Dual-Layer Unterstützung
- USB-Port für USB-eLicenser/Steinberg Key (Lizenzmanagement)
- USB-eLicenser/Steinberg Key erforderlich*
- Internet-Zugang für Lizenzaktivierung
- Für die Nutung als PlugIn oder ReWire Slave ist eine VST2, VST3, AU oder ReWire kompatible Host-Applikation erforderlich
*Der für den Betrieb benötigte USB-eLicenser/Steinberg Key (Kopierschutzstecker) ist nicht enthalten. Kunden, die noch keinen USB-eLicenser/Steinberg Key besitzen, müssen diesen separat erwerben. Es wird nur ein Kopierschutzstecker für alle Steinberg-Produkte benötigt. Zur Aktivierung der Lizenz auf dem USB-eLicenser/Steinberg Key ist ein Internetanschluss erforderlich.
Preis
- Vollversion 349 EUR (Strassenpreis: 319 EUR)
- Update von TG1/2 119 EUR (Strassenpreis: 115 EUR)




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