Test: Rob Papen RP-Verb

in Plug-ins, Software von heiko, 11. März 2010 - Keine Kommentare »

Lange Zeit galt der Faltungshall als König des Reverbs, denn allzu verlockend ist die Vorstellung, mittels Convolution-Technologie Rauminformationen naturgetreu wiederzugeben. Das gute, alte, auf Algorithmen basierende Reverb hatte man gar nicht mehr so wirklich auf dem Zettel.  Mit dem RP-Verb bringt Soundspezialist Rob Papen nun aber ein schlankes und schnell zu bedienendes Reverb Plug-in auf den Markt.

Schaut man mal die Produktneuheiten der letzten Moante durch, scheint der Algorithmenhall fast so etwas wie eine Renaissance zu erleben, denn bei aller naturgetreuen Abbildung, die der Faltungshall liefert, bringt er auch einige Nachteile mit sich. Zum einen fressen Convolution Reverbs einiges an Rechenpower, zum anderen ist der klassische Faltungshall ein ziemlich starres Gebilde, das sich nicht so einfach editieren lässt, wie dies beim Algorithmen-Kollegen möglich ist.

Hinzu kommt, dass ich bei meiner Arbeit folgendes festgestellt habe: nicht immer ist der „beste“ Hall auch der, der sich im Mix wirklich gut durchsetzt. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist das alte Yamaha Rev 7. Hört man sich dessen Hallprogramme solo durch, klingt es meist metallisch-dünn und weit von der Natürlichkeit eines echten Raumes entfernt. Aber die Sounds lassen sich sehr gut mischen und kleistern den Mix nicht so zu, wie es manch „dickerer“ Hall macht.

Musikalischen Hall verspricht nun auch das RP-Verb, das von Synthie-Spezialist Rob Papen entwickelt wurde. Das RP-Verb bietet allerdings mehr als „nur“ Hall, enthält es doch auch einen Ensemble-Effekt, einen Distortion-Effekt, sowie EQ und die Möglichkeit über Envelope Einfluss auf die Hüllkurve zu nehmen, was sich für Spezialeffekte anbietet.

Die Installation läuft einfach ab: Man lädt sich das Plug-in von Rob’s Webseite. Mit der zugehörigen Seriennummer und einem Internetzugang lässt sich RP-Verb freischalten und autorisieren. Wer keinen Internetzugang hat (gibt’s das heute noch?) oder seinen Studiorechner nicht am Internet hat (wieso eigentlich?) kann auch die Lizenz auf einen e-License Dongle schreiben (was ich nicht ausprobiert habe).

Die Programmoberfläche macht einen äußerst aufgeräumten Eindruck und erinnert entfernt an das, was man von Lexicon oder TC Electronics als Bedieneinheit am Mischpult liegen hat. Ein Manual braucht man nicht, Erklärungen zu den einzelnen Parametern lassen sich intuitiv aufrufen. Wenn man mal stecken bleibt, ruft das ? das Quick Manual auf.

Im oberen Bereich zeigt sich ein virtuelles Display, das beruhigend meditativ-blau scheint und die notwendigen Informationen bezüglich Input- und Output-Pegel, Roomsize, Reverb Length und Pre-Delay Zeit visualisiert.

Die Bedienelemente sind klar strukturiert und übersichtlich angeordnet. Links angefangen lässt sich der Ensemble-Effekt regeln und routen, darunter geht es mit der Distortion-Sektion weiter. Auch hier lässt sich lediglich „Amount“ regeln, was aber in der Regel ausreichen sollte. Komplexer ist da schon die Abteilung für die Early Reflections, die eine reichhaltige Auswahl an Parametern zu bieten hat.

Ebenfalls großzügig gestaltet sich die die Reverb-Sektion, die sich detailliert regeln lässt. Insgesamt 15 unterschiedliche Raumtypen bietet das RP-Verb an. Neben den Klassikern Room und Hall werden auch solche Nettigkeiten wie Space Orbit geboten. Zusätzlich lässt sich jedem Reverb-Typ eine von fünf Färbungen zuordnen. Natürlich sind auch Pre-Delay, Diffusion und Damping regelbar. Zudem gibt es einen High- und Lo-Pass-Filter, mit dem sich die Hallfahne sehr genau einpassen lässt.

Recht einzigartig finde ich die Möglichkeit, auch separat Einfluss auf die Late Reflections zu nehmen, diese lassen sich nämlich in Volume, Length und Damping einstellen. Jedes der Module, egal ob Ensemble, Distortion, Early oder Late Reflections, EQ, Envelope oder Reverb kann man einzeln ab- oder zuschalten.

Im unteren Bereich des Plug-in Fensters bekommt man Zugang zur  Envelope-Sektion und zum EQ. Während sich Rob Papen für die Einstellung der Envelopes einige trickreiche Kniffe ausgedacht hat, funktioniert der EQ mit drei simplen Potis, die mit festen Frequenzen belegt sind. Low greift bei 10 HZ, Mid bei 4 KHz und High bei 8 KHz. Über den Post Button kann man noch wählen, wie man den EQ in den Signalweg legen möchte.

Überhaupt bietet das RP-Verb einige Routing-Optionen, nicht nur beim EQ. Auch Ensemble, Early Reflections und Late Reflections lassen sich entsprechend in den Signalfluss legen.

Man ahnt es schon: Das RP-Verb kann also mehr „als nur Hall machen“. Fangen wir aber zunächst mit einem kleinen Drum-Raum an.

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Hier wird der Raum um einiges größer.

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Beim vorigen Beispiel stand das Colour-Setting auf Clean, im folgenden wechseln wir zu Multi 3.

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Im Folgenden benutze ich einen Vintage Type Hallprogramm, zusätzlich wird der Sound mit Distortion angereichert.

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Auch typische Snare Reverbs beherrscht das RP-Verb

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Noch ein Snare Reverb.

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Auch mit Gitarren kann das RP-Verb sehr gut.

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Hier bietet es sich natürlich auch an, den Ensemble-Effekt auszuprobieren.

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Die Königsdisziplin für jeden Reverb ist der Vocal Hall, aber auch hier schlägt sich das RP-Verb sehr gut.

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Auch den eigentlich recht dünnen Sound von alten Hallgeräten kriegt man mit dem Plug-in realisiert.

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Hier noch etwas Sounddesign mit dem RP-Verb.

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Das gefällt uns nicht

Das gefällt uns

Die Klangqualität des RP-Verbs hat mich positiv überrascht, da es einen sehr weites Spektrum bedienen kann. Von dick und dicht bis fragil und dünn deckt das Plug-in sehr viele Facetten ab. Der Sound klingt nie künstlich oder aufgesetzt. Rob Papen konnte sein Versprechen einlösen, einen musikalischen Hall zu liefern.

Über die Zusatzfeatures wie Ensemble, Late Reflections oder Distortion lassen sich auch ausgefallene und extreme Sounds umsetzen, RP-Verb wird selbst zum Sounddesign-Tool.

In der Summe hat mich das Plug-in überzeugt, bringt es doch frischen Wind in die in letzter Zeit etwas angestaubte Hallwelt.

Heiko Wallauer

Systemvorraussetzungen Mac (Herstellerangaben):

  • VST, AU, RTAS, Mac OS-X 10.5
  • IntelMac und PPC

Systemvorraussetzungen Windows (Herstellerangaben):

  • VST, RTAS
  • PC mit Windows Xp/Vista 32/Vista 64/Windows 7

Preis

  • 149 Euro

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