Test: SPL TwinTube
in Plug-ins, Software von heiko, 7. Mai 2010 - Keine Kommentare »
SPL packt die virtuelle Röhre aus, und das gleich im Doppelpack, denn mit dem Twin Tube Plug-in bekommt die Analog Code-Reihe neuen Zuwachs.
Beim Twin Tube handelt es sich um ein Plug-in, das dem zu bearbeitenden Signal zweifache Röhrenfärbung mitgibt, einmal in Form von Obertönen, und einmal als Saturation- Effekt, der Signale in die simulierte Röhrensättigung fährt.
„Und immer wieder die Röhre!“, mag man denken. Was ist denn nur dran an den glühenden Glaskolben, dass sich diese Teile immer noch ungebrochener Beliebtheit erfreuen und ständig gemodelt werden? Das Geheimnis liegt darin, wie eine Röhre arbeitet: Während etwa ein Transistor das eingehende Signal gleichmäßig verstärkt und ab einem bestimmten Punkt einfach unschön verzerrt, lässt sich die Röhre noch im Grenzbereich “überfahren”, ohne sofort unangenehm zu klingen. Vielmehr wird diese Klangcharakteristik von unserem Gehör durchaus als angenehm empfunden. Natürlich ist da auch viel Voodoo mit im Spiel, denn viele Röhren in diesen 49 Euro-Kistchen sind eher dazu verbaut, um das Gehäuse zu illuminieren, als wirklich ins klangliche Geschehen einzugreifen. Wenn aber die Jungs aus Niederkrüchten Röhrenschaltungen bauen, dann ist dass eine ernste Sache und wenn SPL diese dann noch in sein Analog Code Plug-ins portiert, dann wird’s noch ernster.
Installation
Die Installation des Plug-ins verläuft wie erwartet einfach und rund: Ich übertrage die Lizenz auf meinen iLok, lade mir das entsprechende Disk-Image bei SPL und in nicht mal 5 Minuten bin ich bereit loszulegen. So einfach kann’s sein
Angelehnt ist das Plug-in wieder an das entsprechende Modul aus der SPL RackPack-Serie, die entsprechenden Bedienelemente sind identisch. Gut, natürlich hat das RackPack-Modul keine Speichermöglichkeit für Presets, bei der Hardware entfallen also die Settings-Buttons.

Wie auch bei den SPL-Plug-ins Transient Designer und den EQ Rangers ist die Oberfläche sehr klar und durchsichtig strukturiert. Wieso den Benutzer verwirren, wenn man Dinge auch einfach halten kann? Da gibt es zum einen den Harmonics-Regler, und natürlich den Saturation-Poti. Beide Einheiten lassen sich über virtuelle Buttons jeweils einzeln zuschalten, so dass man die Effekte, die das Twin Tube Plug-in generiert, sehr individuell auf den gewünschten Anwendungsbereich hin auf Maß schneidern kann. Außerdem gibt es die bereits vom Transient Designer und den EQ Rangers bekannten Signal Present und Overload-Anzeigen, wie auch die Möglichkeit, vier Settings auf den Tastern A, B, C und D abzulegen.
Über die beiden Harmonics-Buttons kann der Wirkungsbereich definiert werden, welcher Einfluss auf die Bearbeitung der Obertonstruktur des Ausgangsmaterials nimmt. Welche Kombination wie greift lässt sich direkt auf der GUI ablesen, kein Blick ins Handbuch notwendig.

Diese Harmonics-Buttons definieren die Centerfrequenz des Grundtons, bei dem die Schaltung anfängt zu arbeiten. SPL hat hierfür vier Bereiche ausgewählt, die zweckmäßig über das Frequenzspektrum verteilt sind:
- 9,8 kHz mit einer Bandbreite von 9,6 kHz.
- 6,6 kHz mit einer Bandbreite von 5 kHz.
- 2,8 kHz mit einer Bandbreite von 9 kHz. und
- 1,9kHz mit einer Bandbreite von 4,7 kHz
Alle mit einem maximalen Regelweg von +15 dB. Die Anzeigen auf dem Plug-in wurden zur besseren Lesbarkeit gerundet. Diese Struktur macht deutlich, dass sich die Harmonics-Abteilung für Vocals, Akustikgitarren oder auch Bässe empfiehlt. Aber auch bereits “verröhrte” E-Gitarren profitieren von der Hamronics-Schaltung – z. B. dann, wenn man einem Solosound im Mix etwas mehr Präsenz geben möchte, oder wenn man das Twin Tube Plug-in als Nobel-Overdrive/Booster einsetzen möchte.
