iPhone OS 3, erste Eindrücke

in iPhone, iPod, iTunes by Oliver, 18. Juni 2009 - 10 Comments »

Nun ist es also da, das lang erwartete iPhone OS 3. Die Neuerungen waren ja hinlänglich bekannt, dennoch war es spannend, wie Apple die einzelnen Dinge im Detail umsetzen würde. Gestern Abend habe ich dann natürlich sofort iTunes angeschmissen, den iPod Touch (first Gen.) angesteckt und das OS-Update gezogen. Die ganze Prozedur verlief erstaunlich problemlos, gerade im Vergleich zu den Vorgängerversionen. Besonders beim iPhone OS 2 waren die Apple-Server ja hoffnungslos überlastet, und man musste echt Glück haben, um in den ersten Stunden an das Update heranzukommen.

iPod-Spotlight

iPod-Spotlight

Der erste Neustart des iPods nach dem Aufspielen der Software verlief dann auch ohne Zwischenfälle oder Merkwürdigkeiten – und bis jetzt sind mir noch keine groben Fehler aufgefallen, mit denen ich nicht vorerst leben könnte. Spotlight ist eine super Sache, und ich werde das in Zukunft sicher häufig nutzen. Endlich kann man direkt zu Kontakten springen, ohne diese erst umständlich im Adressbuch suchen zu müssen. Dass auch Mails, Anwendungen und Notizen durchsucht werden kommt mir ebenfalls sehr gelegen. Die Suche selbst geht ziemlich zügig vonstatten, selbst bei einer großen Menge an Daten auf dem iPod.

Negativ fiel mir bisher auf, dass die Listenansicht von iCal sehr zäh geworden ist – fast schon unbenutzbar. Das mag daran liegen, dass ich meinen kompletten iCal über MobileMe synchronisiere, und dadurch wirklich viele Termine auf dem iPod landen. Allerdings funktionierte das früher auch problemlos, ohne den mobilen iCal so stark auszubremsen. Die Wochen- und Monatsübersicht funktioniert hingegen weiterhin uneingeschränkt, zum Glück.
Schade ist auch, dass es immer noch nicht möglich ist, den Geburtstagskalender direkt auf dem iPod oder iPhone einblenden zu lassen. Entweder man synchronisiert ihn manuell per Kabel über iTunes, oder man veröffentlicht den Kalender auf einem Webserver, und abonniert ihn dann wieder. Das ist ziemlich umständlich und eigentlich auch unnötig, da die Geburtstagsdaten ja ohnehin bereits im Adressbuch auf dem iPod oder iPhone vorliegen. Windows-Benutzer haben es noch schwerer, da hier die Synchronisierung – soweit ich es bisher mitbekommen habe – nur über Outlook funktioniert. Wer also in Outlook keinen Geburtstagskalender hat, hat auch keinen im mobilen iCal. Oder kennt hier jemand noch eine andere Lösung, wie man dieses Problem umschiffen kann?

Das Synchronisieren von Notizen wollte anfänglich nicht funktionieren. Der Haken an der jeweiligen Checkbox in den Einstellungen in iTunes verschwand immer wieder von selbst, wenn ich den iPod synchronisieren wollte. Nach einem Neustart von iTunes, und erneutem Anstecken des iPods, funktionierte es dann allerdings. Die Notizen landen danach auf dem Mac im Apple Mailprogramm, und auf umgekehrtem Wege in der iPhone Notizenanwendung. Es werden also weder die Notizen aus dem Dashboard, noch die Notizen aus dem Mac-Notizzettelprogramm abgeglichen. Aufpassen sollte man auch, dass man nicht gleichzeitig eine Notiz auf Mac und iPod oder iPhone verändert. Die Änderungen werden anscheinend nicht zusammengeführt. Das heißt, man bekommt einen Synchronisierungskonflikt angezeigt und muss sich dann entscheiden, welche Notiz man behalten will. Die zuletzt gemachte Änderung ist für iTunes die aktuellste Version des Notizzettels, und überschreibt einfach ungefragt alle anderen bereits geänderten Einträge. Wenn man Pech hat, ist der komplette Notizzettel unbrauchbar. Da der Abgleich auch anscheinend nur über Kabel funktioniert, muss man besonders aufpassen, und den iPod oder das iPhone regelmäßig mit iTunes verbinden.

Mail im Landscape-Modus

Mail im Landscape-Modus

Positiv hervorzuheben ist noch die Tatsache, dass man in Mail (und einigen anderen Apple-Anwendungen) nun endlich auch den Landscape-Modus nutzen kann. Diese Möglichkeit hatte ich schon seit Langem vermisst. Ich finde die große Tastatur zum Tippen von längeren Texten einfach angenehmer. Natürlich muss man dann mit der Einschränkung leben, dass das Textfeld für den eigentlichen Inhalt sehr stark verkleinert wird. Erfreulich ist auch, dass man aus dem Fotoarchiv nun beliebig viele Bilder gleichzeitig in einer einzelnen Mail versenden kann.

Die “Find my iPhone”-Funktionalität von MobileMe habe ich auch schon ausprobiert, und sie funktionierte relativ zufriedenstellend. Mein iPod konnte tatsächlich auf Google-Maps lokalisiert werden – sowohl zu Hause als auch auf der Arbeit. Das Senden einer Nachricht an den iPod per Push-Dienst klappte ebenfalls, wenn auch mit großer Verzögerung. Die Nachricht erschien erst nach ca. 30 Minuten auf dem iPod-Display, und dann auch leider ohne Signalton. Anscheinend wird hier wohl der interne Piezo-Pieper des ersten iPods nicht mehr unterstützt.

Ob “Remote Wipe” funktioniert werde ich wohl erst erfahren, wenn ich es tatsächlich mal benötigen sollte.

Bei Push-Mail verhält es sich ähnlich. Mails werden zwar am iPod empfangen, allerdings nur, wenn ich diesen gerade verwende. Sobald der Bildschirm schwarz wird ist anscheinend auch der Push-Dienst inaktiv. Jedenfalls werden Mails dann nur sehr sporadisch empfangen, vermutlich nach eingestelltem Zeitintervall.

Ich bin gespannt wie sich die Push-Funktionalität schlägt, sobald die Anzahl an Anwendungen wächst, die auf diesen Dienst zugreifen. Bisher gibt es wohl nur Tap Tap Revenge 2, was ich aber mangels Interesse nicht getestet habe.

Insgesamt hinterlässt das iPhone OS 3 einen guten Eindruck. Viele Dinge sind noch verbesserungswürdig, wie zum Beispiel der mobile iCal. Andere Dinge sind wirklich grandios, wie zum Beispiel Spotlight, Copy-Paste oder die vielen Verbesserungen im Detail.
Ich für meinen Teil kann das Update nur empfehlen, auch wenn man als iPod Besitzer erneut dafür zahlen muss.