Test: iPad Wi-Fi 32GB

in Apples mobile Computer, iPhone, iPod, iTunes, Meinung by sven, 28. Mai 2010 - 12 Comments »

Im Januar hat Steve Jobs das iPad vorgestellt, ab heute ist es endlich auch in Deutschland käuflich zu erwerben. Noch nie wurde vor einer Veröffentlichung so sehr in den Medien über ein Produkt berichtet, positiv wie auch negativ. Wir haben das iPad einem Test unterzogen und sagen euch, ob sich das neue Apple-Gerät lohnt.

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Gestern wurden in Deutschland die ersten Geräte ausgeliefert, dank eines netten UPS-Fahrers, der gleich zweimal an meiner Tür klingelte, durfte auch ich mein vor einigen Wochen vorbestelltes iPad in Empfang nehmen. Geliefert wurde von Apple nicht nur das iPad, sondern auch die bestellte iPad-Tasche, die ich später noch etwas genauer vorstellen werde.

Auspacken, Lieferumfang & Verarbeitung
Die Verpackung und der Inhalt sind Apple-like: nur das Nötigste ist in der stylischen Verpackung aufgehoben, neben dem iPad und dem passenden Ladegerät inkl. USB-Kabel befindet sich in der Box eine Mini-Bedienungsanleitung, die schon für sich spricht: kaum Informationen, die aber auch zur Nutzung des iPad nicht wirklich nötig sind. Ein Hinweis darauf, dass das iPad erst nach dem Anschluss an einen Computer mit der aktuellen iTunes-Version funktioniert ist dabei noch das Wichtigste.
Wie wir es von Apple gewohnt sind gibt es bei der Verarbeitung rein gar nichts zu meckern, nichts knarzt und rappelt, die wenigen Schalter und Knöpfe sind gut verarbeitet, man hat das Gefühl, dass man ein hochwertiges Gerät in den Händen hält. Typisch Apple eben.

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Anschluss & Inbetriebnahme
Nicht viel muss der Nutzer zur Inbetriebnahme beisteuern: das iPad muss mit dem beiliegenden USB-Kabel (oder auch mit einem vorhandenen USB-Kabel des iPhones) an den iMac angeschlossen werden, der erste Schritt ist die Registrierung des iPad. Ist die erledigt, hat der Nutzer die Möglichkeit, seine schon vorhandenen Apps und Einstellungen des iPhone (falls er eines besitzt) auf das iPad zu übertragen. Hier sollte man jedoch bedenken, dass die iPhone-Apps nur sehr eingeschränkt auf dem iPad zu benutzen sind. Zwar lassen sich diese in der Darstellungsgröße verdoppeln, allerdings werden sie nur skaliert, was teilweise einen viel zu pixeligen Eindruck hinterlässt. Nach einem ersten Abgleich habe ich daher alle iPhone-Apps wieder vom iPad gelöscht.
Ein Wort noch zum Akku: Apple gibt eine Laufzeit von 10 Stunden an, die wurde in einigen Tests teilweise deutlich bestätigt. Nach zwei Stunden Nutzung und einer Anfangsladung von 91% waren auf meinem iPad noch 65% vorhanden.

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Erste Nutzung
Wow, da ist er, der Effekt, den Steve Jobs bei der Vorstellung des iPad im Januar prophezeit hat: “Es ist etwas völlig anderes, das iPad zu sehen oder es selber zu benutzen!”. Ich muss sagen, dass mich der erste Eindruck des Gerätes ziemlich fasziniert hat. Man gleitet praktisch über den Touchscreen, alles geht sowas von einfach, als wenn man es schon immer so gemacht hat. Die Nutzung im Vergleich zum iPhone ist beim iPad die Gleiche, vielleicht liegt es auch daran dass alles so leicht geht. Aber da ist noch mehr: selbst das einfache Surfen im Netz erfährt durch die Bedienung mit den Fingern ein “Noch näher drin”-Gefühl, welches sich auch nach zwei Stunden der intensiven Nutzung nicht ändert. Ganz im Gegenteil: als ich die ersten Apps installiert habe und feststellen musste, was noch so alles mit dem iPad möglich ist hat sich das noch verstärkt. Der ein oder andere mag jetzt denken, dass wir bei Apfelwahn von Apple gesponsert werden und deswegen so positive Eindrücke schildern, es wäre schön wenn dem so wäre!

Internetsurfen
Die Nutzung des integrierten Safari-Browsers ist Pflicht, Apple bietet zurzeit keine Alternative, um durch Internetseiten zu surfen. Dies gelingt überraschend flott, die Seiten bauen sich trotz WLAN teilweise flotter auf als bei meinem per Ethernet verbundenen iMac. So macht surfen Spaß! Die intuitive Bedienung (Vergrößerung von Artikel usw.) ist die vom iPhone Bekannte, auch hier lässt sich relativ wenig meckern. Einzig und allein die nicht so einfach vom Firefox zu übertragenen Lesezeichen machen den Start ins iPad-Surfen etwas komplizierter, weil der Nutzer per Hand eingreifen muss. Ob man beim Surfen das Hoch- oder Querformat wählt ist Geschmackssache.

Mail, Kalender & MobileMe
Was war das immer für ein Theater wenn man auf einem Windows-Rechner die “alten Daten” auf ein neues Gerät kopieren musste. Dies gehört dank MobileMe zum Glück der Vergangenheit an. Nach der einfachen Anmeldung mit Nutzername und Passwort sind ruckzuck alle Daten auf dem iPad. Dabei fällt auf, dass vor allem der Kalender auf dem großen Display einen richtig übersichtlichen Eindruck macht, hier lassen sich zahlreiche Ansichten einstellen, so dass man seine Termine wohlsortiert im Blick hat. Im Vergleich zum iPhone ist das schon ein großer Fortschritt, über ein iPad in der Tasche als Terminkalender schweige ich aber lieber.
Die Mail-Anwendung ist aufgeräumt, man findet sich sehr schnell zurecht. Das Verschieben einer Email in einen bestimmten Ordner funktioniert zügig, eine Ganzseitenansicht ist im Hochkantmodus verfügbar. Für meine Zwecke vollkommen ausreichend.

Tastatur – Genie oder Wahnsinn?
Von der iPhone-Tatstatur ist man ja einiges gewohnt: falsch getippte Buchstaben, eine vor allem in den frühen Softwareversionen grauenhafte Rechtschreibkorrektur, Umlaute die erst erscheinen nachdem man eine zirkusreife Fingervorstellung durchführt und und und. Ganz anders die iPad-Tastatur: mit ihr gelingt es, relativ zügig auch längere Texte zu schreiben, etwas ungewohnt ist dabei die fehlende gefühlte “Rückmeldung” des Drückens einer Taste- Umlaute erscheinen, wenn man etwas länger den jeweiligen Vokal drückt, die Rechtschreibkorrektur wurde auf den ersten Blick deutlich verbessert. Natürlich ersetzt diese Tastatur keine herkömmliche, deswegen lässt diese sich auch ohne weiteres per Spezialdock oder per Bluetooth nutzen (nicht getestet).

Apps, Apps und nochmal Apps
Mittlerweile stehen für das iPad mehr als 5.000 Apps im Apple-Store zur Verfügung, wie bei den iPhone-Apps verliert man auch hier relativ schnell den Überblick. Dank zahlreicher guter Internetseiten findet man aber doch sehr schnell die eine oder andere App, die ich schon jetzt nicht mehr missen möchte. Wenn man sich vorstellt, dass die App-Entwicklung auf dem iPad erst in den Kinderschuhen steckt könnte hier noch jede Menge passieren. Dies zeigt nicht nur die von Apple kostenlos zur Verfügung gestellte iBooks-App, mit der sich Bücher lesen lassen (mittlerweile gibt es im Store die ersten deutschen Bücher zu kaufen), sondern auch die App von HRS. Das Onlineportal für Hotelbuchungen verknüpft seine Angebote mit Google Maps und lässt die Reservierung einer Unterkunft zu einem wahren Vergnügen werden. Auch der Spiegel begeistert mich durch seine App, hier lässt sich die aktuelle Ausgabe in einem interaktiven Format durchstöbern, zusätzliche mediale Inhalte lassen sich auswählen. Einzig und allein der höhere Ausgabenpreis im Gegensatz zur Printausgabe verwirrt.
Neben den genannten “Perlen” gibt es auch zahlreiche Apps, die kein Mensch braucht. Hier gilt es, durch Informationen Fehlkäufe zu vermeiden.

Bilderrahmen, Fotos, Flash, Video & Co.
Das iPad ist vor allem eins: ein Gerät, um Inhalte zu konsumieren. Wer ein iPad zum Ersatz eines MacBooks oder eines iMac anschafft muss Abstriche in Kauf nehmen (Tastatur, Anschlüsse,…). Die Funktion, die das Gerät in punkto Mediennutzung bietet, sind umfangreich. Gespeicherte Bilder lassen sich als Diashow (wie in einem medialen Bilderrahmen) anzeigen, das iPad-Case sorgt für den nötigen Halt, Fotos erscheinen dank des tollen Displays kontrastreich und ausgesprochen gutaussehend. Das gleiche gilt für Videos, selbst wenn sie nur von Youtube sind. Apples “Krieg” mit Adobe und die fehlende Flash-Funktion habe ich noch nicht wirklich vermisst, immer mehr Seiten im Netz bieten HTML5-basierte Medieninhalte, die auch auf dem iPad abzurufen sind.

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iPad-Case
Das von mir mittbestellte iPad-Case von Apple ist Geschmackssache. Das verarbeitete Material ist von der Oberfläche her gewöhnungsbedürftig, es fühlt sich “etwas komisch” an. Die Möglichkeiten der Nutzung sind allerdings hervorragend: es schützt das iPad fast rundherum (die Schalter und Knöpfe sind nicht abgedeckt), die drei möglichen Positionen zur Nutzung sind sinnvoll (leicht angewinkelt, wie ein Buch oder als aufgstellter Bilderrahmen). Alles in allem ein akzeptables Produkt zu einem etwas überhöhten Preis.

Kann das iPad nur Gutes? – Ja, aber…
Das iPad kann vieles richtig gut, aber nicht alles. Es fängt bei Kleinigkeiten an: aufgrund des hohen Ladestroms der nötig ist, um das iPad zu laden, verweigert das Gerät ein Aufladen über den USB-Anschluss meines iMacs und meines MacBooks, dank des mitglieferten Ladegeräts aber ein zu verschmerzender Punkt. Die fehlende Möglichkeit, Speicher aufzurüsten schlägt da schon mehr ins Gewicht, ich glaube, dass das zurzeit das größte Manko des Gerätes ist. Zwar glaube ich, dass die 32GB für eine Weile ausreichen werden, allerdings wäre ich über eine Erweiterungsmöglichkeit (z.B. per SD-Karte) glücklich, so dass auf diesem Weg auch Fotos der Digicam ihren Weg direkt aufs iPad finden. Der erhältliche Kamera-Connector ist hier nur eine umständliche und teure Variante.
Dritter Kritikpunkt: das iPad ist und bleibt ein Gerät, was man mit den Fingern bedient, und so sieht es auch nach wenigen Minuten aus! Die Oberfläche besteht aus einem einzigen Schmierfilm, der noch deutlicher auffällt als beim iPhone. Dem Blick auf die Inhalte schadet dies aber dank des brillianten Displays nicht, es ist nur unschön.
Vorerst letzter Kritikpunkt: ich weiß noch nicht, in welcher Position ich das iPad am Besten nutzen soll. Legt man es (im iPad-Case oder ohne auf der Couch) auf seine Oberschenkel und nimmt eine anlehnende Position ein, schlafen mir nach 10 Minuten die Backen ein (ja, genau die), auf einem Tisch bietet das iPad dank iPad-Case und angewinkelter Position derzeit die beste Nutzungsmöglichkeit. Vielleicht ist es aber auch nur eine Frage der Übung, ich werde das weiter beobachten.

Ein (erstes) Fazit
Ich glaube, die Funktionen des iPad werden mich auf Apfelwahn noch viele Artikel schreiben lassen! Das Gerät bietet zahllose Möglichkeiten der Nutzung, die mit sehr hoher Wahrscheinlich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten durch zahlreiche weitere Möglichkeiten erweitert werden (siehe die ständig wachsende Zahl an Apps). Wenn man die erste Version des iPhone mit der jetzigen vergleicht steht uns auch hier noch ein weiterer Quantensprung bevor. Seien es die iWork-Apps von Apple oder zahlreich angekündigte neue Magazinformate, hier wird sich vieles tun.
Was das Gerät derzeit bietet kann sich meiner Meinung nach mehr als sehen lassen: ein toll verarbeitetes Produkt, welches den Nutzer Inhalte konsumieren lässt. Dafür eignet sich das iPad außerordentlich gut und eröffnet durch seine intuitive Bedienung völlig neue Möglichkeiten, die begeistern! Wer das Gerät als Ersatz für einen Rechner sieht wird eventuell enttäuscht sein, denn das ist das iPad aufgrund der genannten Punkte nicht. Und das will es laut Apple ja auch gar nicht sein…