Minimalismus-Overkill

in Mac OS X von Thomas, 11. September 2009 - 11 Kommentare »

Wir alle lieben ja den Mac, weil er eine gewisse minimalistische Eleganz ausstrahlt. Das System ist hübsch und klar, nirgendwo mit Schaltflächen und Sprechblasen überladen. Mit der Zeit sammelt sich aber vielleicht doch die eine oder andere Software auf der Platte, die man eigentlich gar nicht benötigt. So verzögern sich schlimmstenfalls Startzeiten oder manches wird unnötig verkompliziert. An diesem Punkt sah ich mich vor einiger Zeit auch angekommen und ich fand, es wäre mal an der Zeit, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Beispielhaft sie hier nur mal die Applikation “Fresh” genannt (wer es nicht kennt, damit hat man auf hübsche Art und Weise die zuletzt geänderten Dateien schnell im Zugriff), von der ich anfangs total begeistert war. Der Prüfstand ergab dann irgendwann, dass ich sie doch kaum nutze, und deshalb eigentlich auch einfach nicht autostarten müsste…

Seither verfolge ich auch das Blog minimalmac, dort tummeln sich die absoluten Puristen, die noch jedes Gramm Software entsorgen, und jedes Pixel von ihrem Screen entfernen, was dort nicht sein soll. Eine Weile fand ich das ganz spannend, auch wenn ich nicht jeden Mist mitmachen wollte (ja, für mich darf ein Task Manager ruhig auch schön aussehen und muss nicht bloss aus einem Textfile mit zwei Schaltflächen bestehen…). Als dann aber die ersten Tipps auftauchten, die das System vielleicht optisch verschlanken, dafür aber im Hintergrund aufblähen und verkomplizieren (Beispiel: Installier dir Software XY, damit bekommst du dann viel minimalistischere Airport und Battery-Icons….ja nee, is klar!), da begann ich mich zu fragen, ob das eigentlich noch was mit Minimalismus zu tun hat.

Jetzt aktuell wird aber der Vogel gerade insofern abgeschossen, dass es Leute gibt, die Software wie z.B. Dropbox so hacken, dass statt dem Menüleisten-Icon einfach ein transparentes gif verwendet wird, um so die letzten, nicht verbannbaren Icons auch noch aus der Menüleiste zu verbannen. Natürlich ist es damit nicht wirklich verbannt, sondern eigentlich immernoch da, was man spätestens dann feststellt, wenn man auf die entsprechende Stelle klickt, dann erscheint nämlich das Dropbox-Kontextmenü. Ich nenne das minimalistischer Overkill, finde derartige Icon-Verbannung hirnverb(r)annt und verbanne den minimalmac-Feed jetzt aus meinem damit wieder viel minimalistischeren Feedreader.

Eine Schlussbemerkung kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen: Die Desktops die dort täglich gepostet werden, sind ja teilweise durchaus hübsch anzuschauen. Auch ich habe mich schon gefragt, ob ich eigentlich ein Dock brauche. Aber sind 1001 leere Desktops, ohne Icons, ohne Dock, ohne irgendwas, auf Dauer wirklich noch interessant? Und vor allem: Was passiert, wenn einer anfängt damit zu arbeiten? Ist das dann noch minimalistisch genug, so mit geöffneten Fenstern und so?