Ein Geschenk? Oder ein Zeichen? …was tun?
in Hardware, Tellerrand by Thomas, 4. Mai 2010 - 10 Comments »
Soeben habe ich ein Samsung R780 Notebook geschenkt bekommen. Ihr wisst schon, es gibt da noch diese Überbleibsel der PC-Ära, die manche Firmen noch immer verkaufen, mit lächerlicher Gewinnmarge. Jetzt, wo Macs bereits out sind, weil niemand mehr braucht als ein iPad, was sind da PCs? Dinosaurier? Beim R780 handelt es sich um ein besonders gelungenes Exemplar dieser Gattung. Die “spezielle Gehäusearchitektur für überzeugende Stabilität und Langlebigkeit” fühlt sich einfach nur billig, wacklig und ziemlich biegsam an. Der 17″-Trümmer ist immerhin nicht unglaublich schwer, aber doppelt so dick wie ein MacBook und gefühlt ein Ziegelstein, wozu die dunkelrote Deckelfarbe ihr übriges tut. Um den Deckel aufzuklappen, muss man das Gehäuse ganz fest halten, sonst klappt es einfach nicht auseinander. Dennoch wackelt das Display – einmal aufgeklappt – bei den kleinsten Erschütterungen ganz bedenklich.
Nachdem sich der Blick dann von den ganzen bunten Aufklebern gelöst hat (wir haben Windows 7, Core i5, Geforce CUDA, LED Backlight, e-SATA, International Warranty, TCO, Energy Star plus ein Aufkleber der die tollen Touchgesten erklärt, über die wir Mac-User nur müde lächeln können), fällt als nächste das Fullsize-Keyboard inkl. Nummernblock auf. Ein Nummernblock? Ja richtig, diese sinnlosen Tasten, die man niemals benutzt, die aber dafür sorgen, dass ich meine Hände nach links versetzt auflegen muss und mich deshalb vor dem Gerät so dezentriert fühle – eine ergonomische Katastrophe. Die Tasten an sich sind ganz Mac-like ins Gehäuse eingelassen (nein, natürlich nicht ins Gehäuse, sondern in eine separate Abdeckplatte, die bereits bei leichtem Druck erheblich nachgibt), darauf tippt sich jedoch wie auf einem Waschlappen. Von einem sauber definierten, knackigen Druckpunkt nichts zu spüren. Fehlt noch ein Kommentar zum Touchpad. Achso, man könnte es auch fast übersehen, fällt es doch – dem riesigen zwischen Tastatur und Display verschenkten Platz geschuldet – extrem klein aus. Flächenmässig ziemlich exakt halb so gross wie das meines MacBooks, vor allem auch lediglich halb so hoch. Naja, ist ja auch ein Widescreen, klar ne?! Die Oberfläche ist so leicht geriffelt, irgendein komischer Kunststoff. Ein von Handschweiss selten völlig freier Finger mag darüber so gar nicht gleiten… Zuletzt noch ein Wort zum Akku. Auch diesen hätte ich zwischen dem lieblos in eine Plastiktüte gesteckten Papierkram und den übrigen Kabeln fast übersehen. Er ist wirklich winzig, sowohl was die Abmessungen als auch was die inneren Werte angeht. Hätte es in einem 17″-Gehäuse wirklich nicht etwas mehr Platz gehabt? Immerhin hält das Gerät damit bei 50% Displayhelligkeit (was man dank glossy komplett vergessen kann) gute 2 Stunden durch. Sogar mit WLAN. Halleluja.
Doch nun zur weiteren Erklärung, was hat es denn mit so einem komischen Geschenk auf sich? Ganz einfach, vor gut einer Woche kam bei mir ganz spontan der Wunsch nach einem Netbook auf. Ich könnte es dabei haben und so trotz Bereitschaftsdienst mobil ins Netz und einsatzfähig sein. Es könnte mich auf die anstehende Schwedenreise begleiten, auf der es als Bilderbunker und Gelegenheits-Internet-Terminal absolut ausreichend wäre, während mir mein MacBook fast zu schade wäre. Und ich wollte schon lange mal die Ubuntu-Netbook-Edition ausprobieren. Und kosten tut es auch nicht viel. Also habe ich kurzerhand eines bestellt. Heute sollte es nun eintreffen, was es laut Rechnung und Lieferschein auch getan hat. Nur eben laut Paketinhalt steht hier ein R780 vor mir. Das ist ja nur doppelt so gross und dreimal so teuer. Sonst fast dasselbe.
Der erste Impuls war erstmal “einpacken, zurückschicken”. Dann dachte ich, ich könnte es ja wenigstens mal ansehen und schauen, was die Dinosaurier PC-Bauer heutzutage so zusammennageln. Eventuell auch mal wieder ein kleines Blog-Artikelchen rausfallen lassen. Und ja, natürlich habe ich dann auch daran gedacht, etwas abzuwarten und es dann in die Bucht wandern zu lassen. Moralisch verwerflich, aber so verlockend. Nachzuweisen wäre es wohl kaum, strenggenommen habe ich nichtmal ein Paket angenommen, da der DPD ja grundsätzlich Pakete ohne Unterschrift vor der Tür stehen lässt. Doch dann kommen natürlich auch weitergehende Gedanken. Was, wenn mir der grosse Steve ein Zeichen geben wollte? “Du willst keines von diesen bloody Netbooks, du willst ein amazing iPad. Und die Finanzierung habe ich dir gleich mitgeschickt.” Was tun…?

Ist dieses PC / Windows Bashing wirklich nötig? Aber wehe man wettert einmal gegen Apple… Lächerlich
Hallo Stephan,
1. du hast die Ironie-Tags übersehen
2. Windows wurde mit keinem Wort erwähnt….
3. Ja, dieses Notebook ist scheisse und muss deshalb gebasht werden
Im übrigen bin ich selbst oft genug kritisch gegenüber Apple. Aber man muss ihnen lassen dass sie die Trends setzen. Lass uns in 5 Jahren nochmal über aktuelle Bedienkonzepte und Touchscreens und sowas reden…
Hallo Thomas,
Wirklich guter Artikel! Selten so witzig darüber gelesen, wie die Realität doch ist … Die Touchpads, die man mit dem Mikroskop noch übersehen kann und die Klappertastaturen kenn ich von alten Notebooks nur zu gut. Und die Aufkleber – wie kann ein Hersteller seinem Produkt so was nur antun??
Was den Nachweis angeht: Auf dem Lieferschein steht auch ganz sicher das von dir bestellte Netbook? Falls dem so ist, hat Amazon rechtlich keinen Anspruch, irgendetwas von dir zurückzufordern – sie haben als Beweis nur eine Kopie des Lieferscheins (BWL zahlt sich manchmal eben doch aus
).
Ich würde es verscherbeln (am besten über ebay) und mir ein iPad holen. Ist doch nur fair, wenn du die Finanzierung gleich geschenkt bekommst! Ein iPad ist zwar eindeutig kein Notebook-Ersatz, aber ein ausgezeichneter Netbook-Ersatz.
Viel Spaß mit deinem iPad 3G auf Reisen!
Hannes
Grins …
Ich find’s gut! Das einzige was mir fehlt ist ein Foto!
Habs mir mal auf Amazon angeguckt. Mann … DAS ist ja hässlich!! Da kann ich dir nur viel Glück wünschen, dass du das auch los wirst.
Wer sich’s noch ansehen möchte, hier der Amazon-Link:
http://www.amazon.de/Samsung-R780-Harry-Notebook-2-1GHz-GeForce/dp/B0032HLPC0/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=ce-de&qid=1273002634&sr=8-2
Hannes, nur der Vollständigkeit halber, es geht nicht um Amazon, den Namen des Ladens erwähne ich hier jetzt mal nicht…
Ja, es steht das von mir bestellte auf dem Lieferschein. Interessant noch, auf dem Lieferschein steht auch ein “Katalogcode”, und auf dem Karton ist ein Aufkleber mit eben genau diesem Code. D.h. die haben es offenbar bereits beim Wareneingang falsch gelabelt und werden es allerfrühestens bei der nächsten Inventur bemerken, wenn überhaupt…
Jörn, ist mir gerade zu stressig hier eine fotopräsentable Umgebung zu schaffen, und es ist auch schon wieder eingepackt. Naja, es ist nur ein Notebook, ein hässliches
Der Link ist falsch, ich habe die fettere Version mit i5!
Sorry, ich denk bei Bestellungen immer gleich an Amazon. Aber hat sich doch ausgezahlt da zu bestellen – für mindestens 500 wirst du das Ding allemal los.
“Produktmerkmale
* Zielgruppe: Hochauflösende Filme und modernste 3D-Spiele in HD-Qualität genießen”
Geil, dass ist doch ma ‘ne Ansage….
Oh mann genau das was der Artikel beschreibt denke ich auch immer wenn einer guter Kumpel mit seinem Laptop da is wegen irgendwelcher Querelen. Er wolte erst n Mac, der war ihm dann doh zu teuer un dann hat er für 800 Glocken ein schrottiges HP Notebook gekauft was gefühlt fast noch schlechter ist als das welches du hier beschreibst. Zumindest hat das Teil ne eingebaute Diebstahlsicherung (das Eigengewicht, das trägt niemand im vorbeigehen weg ^^) und kann im Ernstfall eventuell zur Einbrecherabwehr genutzt werden (genug Kaft zum Anheben vorausgesetzt…).
Aber wenn es glücklich macht, ich weiss was ich an meinem iMac und meinem Macbook habe…
Micha
PS: Stephan: auch bei Apple istn icht alles Gold was glänzt und gerade in letzter Zeit gabs auch sehr kritische Artikel, zum Beispiel zum Thema Adobe…