Ein Hoch auf die Netbooks
in Hardware, Tellerrand von Thomas, 21. Mai 2010 - 3 Kommentare »
Auch wenn die Sache mit dem iPad ja einerseits schon verlockend war, so habe ich andererseits doch mehr oder weniger unbeirrt an der Netbook-Idee festgehalten, und einen zweiten Bestellversuch unternommen.Nun ist es da, mein Samsung NB30. Sind ja doch ganz schön klein, diese 10 Zoll… Aber irgendwie süss. Und alles hat seine Vor- und Nachteile. Klar ist ein MacBook Air oder ein iPad bildschirmtechnisch größer, ohne wirklich schlechter in eine Tasche zu passen. Aber dieses Format hat auch Vorteile, man kann es z.B. auch mal sehr platzsparend auf dem Frühstückstisch unterbringen, um nebenher “Zeitung zu lesen”.
Das Gerät an sich ist extra stabil gebaut und verträgt angeblich sogar etwas Spritzwasser. Der Deckel ist mit einer hübschen geriffelten Oberfläche versehen, und das Display ist em-aa-doppel-tee, nämlich matt! Der Akku hält mit voller Helligkeit und WLAN 4-5 Stunden (das sagt zumindest die “Vorschau”, wirklich ausprobiert habe ich es noch nicht), was ich ziemlich gut finde.
Das erste Einschalten war erstmal ziemlich nervig. Da installiert Windows erstmal die ganzen sinnlosen Samsung-Tools, das dauert an die 2 Stunden. Dann startet sich so eine komische Recovery-Software, die das System neustarten möchte, um es in zwei Partitionen aufzuteilen, eine fürs System, und eine fürs Backup. Sehr sinnvoll, alles auf einer Platte… Dieses Backup anzulegen hat dann eine weitere Stunde gedauert. Natürlich hätte ich das alles nicht gebraucht, weil ich ja sowieso mit Linux arbeiten möchte – aber ich musste es natürlich einmal durchlaufen lassen, um dann hier lästern zu können, ist doch klar…
Jetzt läuft also Linux drauf, genauer gesagt die Ubuntu Netbook Edition. Das ist ziemlich genial, weil es den beschränkten Bildschirmplatz recht gut ausnutzt. Es gibt kein Startmenü im herkömmlichen Sinn, sondern großformatige Schaltflächen auf dem Desktop. Praktisch alle Programme (abgesehen von solchen Dingen wie Messengern, Skype o.ä.) starten im Vollbild, die Taskleiste ist gleichzeitig auch die Titelleiste des Programms. Somit ist die Übersicht beim Multitasking gewährleistet und dennoch hat jedes Programm maximal viel Platz.
Technisch gesehen ist so eine Ubuntu-Installation ja kein Hexenwerk, Image auf einen USB-Stick spielen, booten, warten. Anschliessend funktioniert praktisch alles, inklusive Bluetooth und WLAN. Ein paar Feinheiten muss man dann aber doch noch anpassen. So sind z.B. die Fn-Tasten für die Bildschirmhelligkeit oder die Lautstärke zunächst ohne Funktion. Glücklicherweise gibt es bei Linux ja aber bei fast jedem Problem jemanden, der dies schon gelöst hat, so auch hier. Einfach die Paketquellen von Voria hinzufügen und die samsung-tools und samsung-backlight installieren, rebooten, läuft. Dann stört noch das altertümliche Touchpad. Auch hier gibt es nach kurzer Recherche Abhilfe. Mit ein paar automatisch bei jedem Start ausgeführten Befehlen (z.B. “synclient VertTwoFingerScroll=1″) bringt man diesem zumindest rudimentäres Multitouch bei.
Abschließend noch zu einem meiner Haupt-Einsatzgebiete, dem mobilen Fotobunker im Urlaub. Der Gedanke dass nach zwei Wochen Urlaub eine Speicherkarte verloren gehen / gelöscht werden oder sonstwie kaputt gehen könnte, bereitet mir Schweissausbrüche. Und natürlich möchte man die Bilder vielleicht auch unterwegs schon auf einem halbwegs sinnvollen Display anschauen. Da ich in RAW fotografiere, benötige ich natürlich auch auf dem Netbook eine Software, die das Format versteht. Da bietet sich zunächst das bereits installierte F-Spot an, welches aber spätestens dann an seine Grenzen stößt, wenn man für einen Apfelwahn-Artikel (dieser Artikel ist totally powered by Ubuntu-Netbook…) ein Bild in jpg konvertieren möchte. Deshalb benutze ich dafür nun Rawstudio, mit welchem man vor dem Export sogar noch einige Bearbeitungen vornehmen kann.
Bei alledem ist übrigens noch zu sagen, dass ich auch bei gleichzeitig geöffnetem Firefox, Mailprogramm, Skype, Empathy (Instant-Messaging), Liferea (Feed-Reader), Dropbox, Rawstudio, Bildbetrachter noch nie an eine spürbare Hardware-Grenze (1GB RAM!) gestoßen bin – beeindruckend in der heutigen Zeit.
Das Gerät macht also Spass und ist zu empfehlen – mit Linux! Und wenn ich jetzt gleich wieder ans MacBook wechsle, werde ich mich fragen, wie man bloß sooo große Zwischenräume zwischen den Tasten einbauen kann…



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