Die c’t auf dem iPad – ein Testbericht

in iPad, Testberichte, Ulf by Ulf, 13. Dezember 2010 - 18 Comments »

Langsam wird es interessant, denn das iPad ersetzt nach und nach einiges Papier, das bis dato über den Briefkasten zu mir gelangte. Seit dem Wochenende hat sich hier auch die c’t, die einzige Computerzeitschrift, die ich abonniert habe, eingereiht – lange hat es gedauert, bis das renommierte Computermagazin endlich auch in elektronischer Version vorlag. Zu lange, wie ich finde – denn eigentlich müssten ja gerade Computerzeitschriften besonders dafür prädestiniert sein, neue digitale Medien bald zu adaptieren und zu nutzen.

2,99 Euro kostet die c’t pro Ausgabe auf dem iPad, die dazugehörige Kiosk-App ist kostenlos im iTunes Store (Link) erhältlich. Für Leute, die die iPad-Version erst mal testen wollen, wird eine ältere Ausgabe (Nr. 16/2010) kostenlos zum Download angeboten.

Und wie schlägt sich nun die c’t auf dem iPad? Das ist die Frage, die ich im Folgenden zu beantworten versuche.

c't Kiosk
Abb.: Der Kiosk der c’t-App für das iPad

Das Negative

Zunächst einmal darf man froh oder enttäuscht sein – je nachdem … Denn die c’t auf dem iPad sieht aus wie die Druckversion der c’t – inklusive Anzeigeseiten. Das heißt, dass man letztendlich eine identische pdf-Version der Zeitschrift auf dem iPad zu lesen bekommt. Eine c’t-Seite, die im Original ca. DIN A4-Format hat, wird somit auf 1024 x 768 Pixeln dargestellt – das ist gerade noch lesbar, wenn man gute Augen (oder eine gut angepasste Brille) hat. Richtig komfortabel ist es jedoch nicht. Mit einem Doppeltipp auf die Seite kann man den Rand wegzoomen, und die Schrift wird minimal größer – dafür blättert es sich dann aber ruckeliger auf die nächste Seite.

Seitendarstellung der c't-App
Abb.: Die Darstellung einer c’t-Seite mit Trauerrand …

Natürlich kann man auch in die Seiten hineinzoomen – aber dann geht das Blättern zum einen noch weniger komfortabel vonstatten, zum anderen ist man ständig mit Fingerwischen beschäftigt, um dem Text folgen zu können. Nicht wirklich befriedigend, das Ganze …

Ansonsten gibt es noch eine Vorschau-Version, bei der man recht schnell durch die Seiten blättern kann. In der unteren Hälfte des Bildschirms findet man hier immer eine Übersicht der Artikelüberschriften (mit Header und Schlagworten), die sich auf der gerade aufgeschlagenen Doppelseite befinden. Leider kann man dort aber nicht den Text der Artikel lesen. Dazu muss man mit einfachem Tippen auf die Seite in die Originalansicht wechseln.

Seitenübersicht
Abb.: Die Vorschau-Ansicht mit Seitenminiaturen (oben) und Artikelübersicht (unten)

Hält man das iPad übrigens quer, so wird entweder eine Doppelseite oder links immer das Inhaltsverzeichnis eingeblendet – in beiden Fällen sind die Seiten allerdings noch schlechter zu lesen und man ist ständig mit Hinein- und Herauszoomen zugange. Von daher sollte man das iPad also besser hochkant halten.

Querformat
Abb.: Die c’t-App im Querformat mit Inhaltsverzeichnis (links)

Das Positive

Praktisch ist es natürlich schon mal grundsätzlich, dass man nun die c’t, wenn man unterwegs ist, nicht noch zusätzlich mit sich herumschleppen muss. Es reicht das iPad, das nebenbei auch noch für nicht zu aufwändige Dinge den Computer, aber eben auch den Zeitschriften- und Zeitungsstapel ersetzt. Von daher bin ich schon mal glücklich mit der iPad-Ausgabe – auch wenn ich mir manches verbessert wünschen würde.

Was hat die c’t-App ansonsten an Positivem und Überzeugendem zu bieten? Zum einen ist die c’t auf dem iPad für Abonnenten der Druckausgabe bis Februar 2011 (was danach kommt, erfährt man nicht) kostenlos. Man muss sich vorher nur bei Heise online unter Angabe der Abonummer sowie Postleitzahl und Lieferort registrieren (Link). Über den zugesendeten Code kann man dann die c’t kostenlos auf das iPad laden – auch ältere Ausgaben stehen hier noch zur Verfügung. Pro Ausgabe muss man mit 35 bis 50 MB Lade- und Speichervolumen rechnen.

Gut gefällt mir zum anderen, dass man ausgabenübergreifend Lesezeichen setzen kann. Will man sich also einen Artikel merken, muss man nur ein Lesezeichen definieren – einen Untertitel kann man selbst wählen – und schon lässt sich später der c’t-Artikel in Sekundenschnelle wieder aufrufen.

Was erwartet uns in der Zukunft?

Das weiß man leider nicht. Die ersten Reaktionen von Usern in Bezug auf die App in Apples App Store lassen jedenfalls nicht viel Gutes an der iPad-Umsetzung der c’t. Gerade von einem versierten Computermagazin hätte man sich mehr Innovation und Benutzerfreundlichkeit gewünscht; und letztendlich kann man dem nur zustimmen. Eine reine pdf-Umsetzung ist jedenfalls zu wenig, um dem Medium iPad wirklich gerecht zu werden.

Immerhin: Ein Satz in der Ankündigung der iPad-Ausgabe auf Heises neuem Newsportal rund um den Mac namens „Mac and I“ lässt einen für die Zukunft einiges hoffen: „Die iPad-Ausgaben erscheinen vorerst ohne zusätzliche Inhalte im Original-Layout.“ (Quelle). Das klingt so, als könnte die c’t auf dem iPad in Zukunft weiterentwickelt und um zusätzliche und speziell angepasste Inhalte erweitert werden.

Wünschen würde ich mir jedenfalls, dass man eine ans iPad angepasste Variante vorfinden wird, die das Medium zu nutzen weiß. Wie das geht, machen andere Zeitschriften und Zeitungen (z. B. die Frankfurter Rundschau oder der Stern, die beide auf dem Redaktionssystem Woodwing aufsetzen) vor. Inhaltlich sollte man allerdings nicht weniger als in der Druckausgabe bekommen.

Interessant werden auch zukünftige Abo-Modelle. Ich wäre grundsätzlich bereit, fast ebenso viel für eine ordentliche iPad-Ausgabe mit gleichem Inhalt wie für das Druck-Abo zu bezahlen (das Portogeld könnte ja an den Kunden weitergereicht werden …). In diesem Fall würde ich mich wohl für die reine iPad-Ausgabe entscheiden. Ansonsten ist wohl davon auszugehen, dass es auch ein Kombi-Abo (Druck plus iPad) geben wird, das leicht teurer als das bisherige Abo-Angebot ausfallen dürfte.

Lassen wir uns überraschen … Jedenfalls sollte Heise in Bezug auf Layout und Handhabung noch einiges an der iPad-Ausgabe der c’t verbessern.

Ulf Cronenberg